Das Wasserbuch - Luskas Bücher

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Das Wasserbuch

Buch 8
In der Jahresmitte, wenn die Hitze den Höchststand erreicht hatte, fand im Regenbogenland das alljährliche Sommerfest statt. Dazu wurden alle Bewohner des Regenbogenlandes eingeladen und die Wesen, die für das Land hinter der Regenbogenbrücke arbeiteten. Sie kamen von überall her, es waren unheimlich viele. Unter ihnen waren nebst den Wichteln, Feen und Elfen auch liebe Drachen, Zauberfische, Einhörner und Meerjungfrauen eingeladen. Damit alle bequem ihr Ziel erreichen konnten, schickte der Himmel an diesem Tag drei lange Regenbogen auf die Erde nieder. Alle Regenbogen waren voll besetzt. Die Besucher schritten langsam über den Regenbogen, hinauf zur Regenbogenbrücke und dem Festgelände.

Nur die Meerjungfrauen konnten diesen Weg nicht beschreiten. Mit ihren Flossen waren sie auf Wasser eingestellt und hatten grosse Mühe, Halt auf dem Regenbogen zu finden. Doch das war kein Problem für die Organisatoren. Sie wiesen die Einhörner an, die Meerjungfrauen auf ihren Rücken zu nehmen und hoch zu bringen. So konnten diese bequem ins Regenbogenland reiten. Kaum angekommen, tauchten sie in den Paradiessee ein.

Hinter der Regenbogenbrücke am kleinen Paradiessee war alles vorbereitet für die vielen Gäste. Für die Erwachsenen gab es Grillstellen und ein grosses Büffet, wo jeder das fand, was ihm mundete. Eine Musikgruppe spielte zum Tanz auf. Auf den Tischen lagen Gesellschaftsspiele bereit, um sich die Zeit zu vertreiben. Ueberall begrüssten sich Freunde, die sich jedes Jahr am Sommerfest wieder trafen. Es gab viel zu erzählen, denn man traf sich ja nicht jeden Tag. Auch ein Riesenrad lud zur Aussichtsfahrt ein. Wie schön, wenn man das Paradies von oben betrachten konnte.

Für die Kinder gab es zahlreiche Spielmöglichkeiten. Sie wurden im Kinderparadies von den Feen betreut, sodass auch ihre Eltern das Fest vollauf geniessen konnten.

Am Seeufer stand ein grosses Zelt, das den Kindern Schatten bot. Es war das Märchenzelt und von allen begehrt. In der Mitte war eine kleine Bühne aufgebaut. Darum herum standen Bänke, auf die sich die Gäste setzen konnten. Der vordere Teil zum See war offen, damit auch die Meerjungfrauen zuhören konnten. Sie hockten entweder auf einem Stein mitten im See oder schwammen im See. Dabei hielten sich mit den Armen am Seeufer fest und ihr Schwanz blieb im Wasser. So konnten sie sich in der Hitze kühlende Wassertropfen zuwedeln.

Elisa, die beste aller Feen, betrat das Zelt und wurde mit Beifall begrüsst. Endlich ging es los! Alle Kinderaugen schauten zu ihr hoch, als sie majestätisch aufs Podium schritt. Sie waren gespannt, was sie ihnen heute zu erzählen hatte.

An diesem, einem besonderen Tag, hatte Elisa eine Ueberraschung bereit. Sie würde nicht eines der bekannten Märchen aus dem dicken Buch vorlesen, sondern eine neue Geschichte. In der Märchentruhe lagen nämlich noch viele andere Geschichten, die neu oder fast unbekannt waren. Sie waren entweder auf losen Zetteln aufgeschrieben oder zu kleinen Büchlein gebunden. Bei diesen Geschichten handelte es sich nicht um die Erlebnisse der Elfen und Feen. Die Märchen stammten aus der Feder der Wichtel und Einhörner. Die meisten spielten im Wasser, weshalb auf dem goldenen Umschlag mit grossen Ziffern stand "Das Wasserbuch".

Sie setzte sich auf den grossen roten Stuhl, der mit Samt überzogen war. Kuschel, der Paradieskater, sprang sofort auf ihren Schoss und rollte sich zusammen. Dann öffnete sie langsam den Deckel der Märchentruhe. Niemand sprach und man hörte nur das Knirschen der Scharniere der alten Truhe. Die Kinder verfolgten jede ihrer Bewegungen. Sie nahm das Wasserbuch heraus, das mit seinem goldenen Einband im Licht glitzerte. Dann schlug sie die erste Seite auf und begann zu lesen. "Die Geschichte der verwandelten Meerjungfrau..."
 

 
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