Ein unverhofftes Widersehen - Luskas Bücher

Direkt zum Seiteninhalt

Ein unverhofftes Widersehen

Buch 4
 Es waren viele Monate vergangen seit der ersten Begegnung mit Emsy. Simba war noch immer auf der Suche nach einem neuen Zuhause. Er hatte sein altes Daheim verlassen müssen, da er dort misshandelt worden war. Per Zufall war er auf Tinas Katzenhaus gestossen. Es lag nicht allzu weit von Emsys Büro entfernt. Er hatte diese Wohnung schon vor einiger Zeit entdeckt und belagert. Bald hatte er gemerkt, dass es dort eine offene Katzentüre und viel Futter gab. Er schlich sich jede Nacht hinein, geschützt durch die Dunkelheit der Nacht. Tagsüber legte er sich irgendwo schlafen, manchmal im benachbarten Pferdestall, ein anderes Mal im wunderschönen nahe gelegenen Naturschutzgebiet. In den vielen Monaten seiner Flucht war er scheu geworden. Er hatte Angst vor den Menschen bekommen und fauchte diese an, wenn sie sich ihm näherten. Er knurrte und kratzte, wenn man ihm zu nahe kam. Bei Tina war alles kein Problem, denn ihre Katzentüre war Tag und Nacht offen. Er konnte ungesehen hinein und mit vollem Bauch auch wieder hinaus.

Wie jeden Abend erschien Simba bei Einbruch der Dunkelheit. Heute war alles anders, das spürte er schon im Garten. Draussen sassen die Katzen auf den Kratzbäumen und schauten auf ihn hinunter. Normalerweise traf er sie drinnen an, doch heute musste etwas vorgefallen sein. Sie verhielten sich anders als sonst.

Er zuckte leicht mit der Schulter und verschwand in der Katzentüre. Er hörte nicht das Klack, das die Katzentüre verursachte, als sie sich hinter ihm schloss. Wie immer stand eine Schale Futter für ihn bereit. Noch konnte er nichts Ungewöhnliches entdecken und fragte sich ernsthaft, was die anderen Bewohner wohl nach draussen getrieben hatte. Als er den ersten Hunger gestillt hatte, schaute er sich um. Da sass Tina auf dem Sofa und schaute fern. Dies kannte er bereits, das war für ihn nichts Neues. Auch die Spielsachen lagen wie immer für ihn und die anderen Tiere bereit. Allerdings roch es ungewohnt. Da Tina sich nicht rührte, schien alles in Ordnung zu sein. Er leckte gierig die letzten Tropfen Milch, legte sich dann hin und döste eine Runde. Erst als Tina aufstand, um die Katzentüre wieder zu öffnen, wurde ihm klar, dass sich diese mit einem Klack hinter ihm geschlossen hatte. Wieso wollte man ihn einsperren? Was war hier vorgefallen?
Er stand langsam auf und näherte sich dem Sofa. Dann entdeckte er den Fremdling. Dieser lag dort, wo eben noch Tina gesessen hatte. Sein Hinterbein war dick eingebunden. Aus dem Verband drang ein Geruch nach Medizin und Spital. Er näherte sich dem verletzten Tier ganz langsam. Tina verfolgte das Geschehen aus ein paar Metern Entfernung. Sie würde eingreifen, wenn Simba zum Sprung ansetzte.

Simbas Neugier war grösser als die Kampfes-Lust. Er schlich sich lang-sam vorwärts. Schon war sein Kopf dicht am geschienten Bein des Verletzten. Nun konnte er den Fremden genau inspizieren. Mit seiner Nase schnupperte er am unverletzten Bein des Tieres. Der Duft kam ihm irgendwie bekannt vor. Nun wachte der Verletzte auf. Er räkelte sich langsam und richtete sich auf
so gut es ging. Man merkte, dass ihm das Aufsitzen Mühe bereitete. Simba erschrak, als das fremde Tier sich plötzlich bewegte. Er machte zwei Schritte zurück und betrachtete das Gegenüber aus sicherer Entfernung. War das ein Neuzugang oder was ging hier vor? Er betrachtete den Kater, der sich unter Schmerzen zu strecken versuchte. Das war doch - nein das konnte nicht sein - wo kam der denn plötzlich her? Vor ihm auf dem Sofa lag Emsy der Streuner, sein Freund, der ihm vor vielen Monaten Futter und einen Unterschlupf angeboten hatte. Was hatte der hier verloren? Was war ihm denn passiert? Wie sah der arme Kerl denn aus? Am Kopf und an der Brust war ja alles unverändert. Er erkannte den weissen Streifen im Gesicht und die nunmehr blitzblank saubere Brust. Auch die
Vorderpfoten waren nun weiss wie Schnee. Das letzte Mal als er ihn gesehen hatte, waren für Füsse mehr schwarz als weiss. Und nun lag er da, verletzt und behindert. Er betrachtete das arme Wesen genauer. Vom Bauch abwärts war alles rasiert. Das hintere Bein war dick eingebunden. Er sah Emsy zu, wie der langsam aufzustehen versuchte. Dies war gar nicht so einfach, denn das geschiente Bein war schwer und steif. Simba hatte Mitleid mit seinem Freund. Er konnte mitfühlen, wie schmerzhaft das alles sein musste. Trotzdem blieb Emsy ruhig. Irgendwie hatte er sich mit seinem Schicksal abgefunden.

Simba ging auf Emsy zu. Zum Erstaunen aller blieb er beim Sofa sitzen. Emsy legte seinen Kopf dicht an Simbas Ohr und begann zu schnurren. Er erzählte seinem Freund, was ihm passiert war.
Zurück zum Seiteninhalt