Tagebuch einer langen Leidenszeit - Luskas Bücher

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Tagebuch einer langen Leidenszeit

Buch 4
Emsy war der berühmteste Kater der Umgebung. Es hatte sich im Dorf herumgesprochen, dass er wieder mal einen Unfall gehabt hat. Auch die externen Mitarbeiter des Paketdienstes erkundigten sich regelmässig nach dem Zustand von Emsy. Tina hätte den ganzen Tag Mails und SMS schreiben können, denn die Anfragen kamen von überall. Deshalb entschloss sie sich eines Tages, im Internet ein Tagebuch zu veröffentlichen. So konnten alle Interessierten alleine nachlesen, wie es Emsy ging und war im Katzenhaus los war:
 
10. August: Emsy im Spital
Emsy war wieder mal unvorsichtig auf dem Weg zu seiner Freundin. Leider wohnt diese auf der anderen Seite der Schnellstrasse. Ich hatte ihn schon x-mal vor der Strasse gewarnt, doch die Liebe war eben grösser! Schwerverletzt kam er zum Paketdienst. Nun liegt er im Tierspital. Eine erste Operation hat er bereits hinter sich, die zweite steht ihm noch bevor.
12. August: Noch keine Entwarnung
Noch immer ist Emsys Zustand kritisch. Die Hüfte ist zwar operiert, doch das Bein ist schwer verletzt. Auch verweigert er jegliches Futter, will heim zu seiner Freundin, die ihn vermisst.

Liebe DPD-Familie. Danke für die Karte. Euer Wunsch war uns Befehl. Wir haben Emsy die Genesungswünsche vorgelesen und ihm erklärt, dass er schnell gesund werden muss. Seine Freundinnen aus Kaiseraugst und Dübendorf vermissen ihn sehr und wollen ihn bald wieder laufen sehen. Ohne Emsys Schnurren ist es im Büro unheimlich ruhig, nein, schon fast trostlos. Nun hängt nur noch sein Bild an der Wand, doch auf das beruhigende Schnurren müssen wir wohl noch ein paar Wochen warten.
14. August: Es geht dem Streuner schon besser
Tina (Tante Tina), Dana (die Krankenschwester) und ich (das Katzenmami) gingen Emsy besuchen. Er war schon viel lebhafter. Am liebsten wäre er mit uns mitgekommen, doch dafür ist es noch viel zu früh. Immerhin hat der Hunger bei ihm eingesetzt und er kann wieder fressen.

14. August: Freundin gesichtet
Ich habe Emsys Freundin kennen gelernt. Sie war im Revier und hat ihn gesucht. Welch schönes Tier! Jetzt kann ich Emsy verstehen! Sie ist über den Rücken dunkel getigert und hat einen weissen Bauch, weisse Vorderfüsse und das klassisch weisse Dreieck im Gesicht. Es ist unverkennbar, sie ist eine langhaarige Schönheit. Ich habe sie gerufen, habe ein paar verschiedene Namen ausprobiert. Beim Namen "Wulli" (wegen ihren vielen Haaren) hat sie die Ohren gespitzt. Sie hat mir sogar Antwort gegeben, ist dann aber weggelaufen. Wir füttern sie, auch wenn Emsy nicht da ist. Ob wir sie Wulli nennen werden, weiss ich noch nicht. Falls jemand einen schönen Namen weiss, darf er sich gerne bei mir melden.

15. August: Spitalbesuch heute
Andreas und ich waren heute an der Reihe! Da lag er nun und hat uns mit seinen grossen Augen angeschaut. Nein, es gefällt ihm gar nicht, dass er nicht rumspringen kann und überall an Schläuche gehängt ist. Auch findet er es gar nicht lustig, dass fremde Hände jeden Tag an ihm rummachen und ständig die Verbände wechseln. Armer Emsy, es wäre uns auch lieber, du wärst bei uns.
15. August: Dazwischen auch mal was Schönes
Für alle, die sie noch nicht gesehen haben: dies ist Shiva, die kleinste und jüngste in der Katzenfamilie. Sie kam vor zwei Monaten zu uns und hat sich bereits wunderbar eingelebt. Fehja ist ihre beste Freundin geworden. Oft liegen sie dicht aneinander geschmiegt und liebkosen sich mit ihren rauen Zungen. Ich bewundere Fehjas Ausdauer und Geduld, denn Shiva kann mit ihrer unerschöpflichen Energie eine wahre Nervensäge sein.

16. August: Rückblick - das waren noch Zeiten
Waren das noch Zeiten, als der gute Emsy ein kleines Büsi war und "Zorro" hiess. So friedlich wie auf diesem Bild war er nur als Katzenbaby im Jahre 1999. Kurz darauf ging es los mit seiner Unternehmungslust.
16. August: Ich bin ein Star - holt mich hier raus!
Eine Stunde lang hat er mir in die Ohren geschnurrt. Er hat mir ausgiebig sein Leid erzählt, dass es ihm stinkt, dass er weg will. Der gute Emsy findet es im Tüz stinklangweilig. Den ganzen Tag muss er mitanschauen, wie Tiere kommen und gehen. Nur er muss dort bleiben. Es gefällt dem Streuner absolut nicht, dass man ihn hinter Gitter gesteckt hat.
Ich habe ihn getröstet und wir haben uns zusammen ans Fenster gesetzt. Wir haben sehr lange dem Treiben draussen zugeschaut. Es war nicht sehr viel los im Vorgarten des Spitals, doch der kleine Kerl hat es ganz wahnsinnig genossen. Emsy hat sein Näschen in die Luft gestreckt, hat dann die Wiese draussen mit seinen Kulleraugen nach einer fetten Maus abgesucht. Er hat nur eine Biene entdeckt, die er aber absolut faszinierend fand. Dann streckte er sich, wollte sich vorne aufrichten. Leider haben ihn die Schläuche und der dicke Verband am Vorderbein noch davon abgehalten. Er machte mir jedenfalls einen sehr vitalen Eindruck.
Neuigkeiten über den Zustand des Beines gibt es allerdings noch nicht. Da müssen wir noch etwas abwarten.
17. Aufwärtsugust: Es geht aufwärts
Tina und ich waren heute auf Krankenbesuch. Wie hat er sich doch gefreut, von Tante Tina eine halbe Stunde lang gekrault zu werden. Endlich hat man uns einen positiven Bericht abgeben können. Es geht mit der Wundheilung am Bein aufwärts. Vermutlich kann man sein Bein noch diese Woche operieren und dann heisst es "ab nach Hause". Natürlich wird unser Streuner noch etwas Hausarrest haben, aber das dürfte ja wohl das kleinste Übel sein.

18. August: Drück mir die Daumen
Wenn alles klappt und nicht noch ein Notfall dazwischen kommt, wird Emsy morgen operiert. Dann ist auch die letzte Hürde genommen. Schon bald darf er dann nach Hause. Allerdings wird er noch viele Wochen daheim bleiben und einen Verband tragen müssen, doch das wird er auch noch überstehen. Ich muss schon sagen, er erträgt das alles mit viel Geduld. Sie haben uns gesagt, er schlafe den ganzen Tag und sei ein ganz lieber Kerl. Jaja, Emsy hat schon immer gewusst, wer es gut mit ihm meint und vor wem er sich in Acht nehmen muss. Also halten wir ihm die Daumen, dass die Operation gelingt. Wir denken fest an ihn.

19. August: Operation verschoben
Zu viele Notfälle, Hektik und Unvorhergesehenes haben dazu geführt, dass Emsys Operation verschoben worden ist. Nun muss der arme kleine Kerl noch zwei weitere Tage warten. Heute blieb er sogar ohne Besuch, denn ich hatte alle Hände voll zu tun (Besuch) und keine Zeit, um ihn zu besuchen. Das werde ich aber morgen ganz bestimmt nachholen.

20. August: Einstündiges Schnurren
Nachdem ich Emsy gestern nicht besuchen konnte, war er ausserordentlich liebebedürftig. Als er mich sah, hat sofort sein Schnurrorgan eingesetzt. Er liess sich von oben bis unten durchkraulen und schaffte es tatsächlich, eine Stunde nonstop zu schnurren und seinen Kopf fest in meine Hand zu drücken. Der Verband am Vorderbein ist weg und Emsy konnte sich vorne schon richtig schön aufstellen. Naja, das mit den Hinterbeinen klappt noch gar nicht so richtig, aber alles braucht seine Zeit. Wir springen ja nach der Operation auch nicht gleich munter vom Tisch und hüpfen umher, als sei nichts passiert.
Im Tüz hat man mir gesagt, er käme mit Streicheleinheiten nicht zu kurz. Jede, die an ihm vorbeigeht, streichelt ihn mal kurz und erntet dafür ein ausgiebiges Schnurrrrrrrr

21. August: Sonntagsbesuch
Grosse Augen machte der kleine Patient, als er plötzlich vier Personen an seinem Krankenbett sah. Wie schön war es doch - acht Hände auf ein Mal, die ihn streichelten. Eigentlich geht es ihm recht gut, doch vermisst er natürlich das turbulente Treiben im Büro und die Streifzüge durch die Natur.

22. August :Erste Gehversuche
Nachdem die Operation auch heute nicht stattfinden konnte, wurde es an der Zeit, dass Emsy etwas Muskeltraining macht. Er durfte durch den Besucherraum spazieren. Man sah ihm an, dass es für ihn sehr anstrengend war. Das verbundene Bein behinderte ihn am geraden Gang. Dennoch schielte er bereits zum Fensterbrett hoch, auf das er liebend gern geklettert wäre. Deshalb hob ich ihn hoch und liess ihn von links nach rechts spazieren. Nun konnte er seine Muskeln trainieren und gleichzeitig beobachten, was draussen vor sich ging. Es schien sehr anstrengend zu sein, mit diesem dick verpackten Bein zu marschieren. Schon nach 10 Minuten war Emsy erledigt. Er legte sich hin und putzte sich ausgiebig. Dann versank er in einen erholsamen Schlaf. Gut gemacht, kleiner Kämpfer, nun geht es aufwärts mit Dir.

23. August: Operation erfolgt
Heute wurde Emsy mit Erfolg operiert. Vermutlich wird er künftig nicht mehr so leichtfüssig rumspringen können, doch war es unumgänglich, dass man ihm das Gelenk versteifen musste. Nun ist auch die zweite Hürde genommen. Er muss sich noch ein paar Tage im Spital erholen, dann darf er endlich nach Hause. Dies wird wirklich Zeit, denn beim letzten Besuch war er recht mürrisch. Er vermisst seine Menschen eben, kann diese in den weissen und grünen Kitteln (smile) nicht mehr sehen. Halte durch, du Streuner, bald ist es ja so weit.

24. August: Emsys Spitalbett
Da heute ein Wahnsinnsbetrieb war und nicht mal ein Sprechzimmer für den Besuch bei Emsy frei, konnte ich ausnahmsweise zu ihm in sein Krankenzimmer. Immerhin ist er nicht allein dort, denn in seinem Zimmer liegt noch ein wunderschöner, riesengrosser Grau-Kater. Da dieser ebenfalls ein Bein in Gips hat, vermute ich, dass auch er unter ein Auto gekommen ist. Der andere Kater war viel wilder als Emsy, man hat ihm seinen Unmut angesehen. Emsy lag nur da und hat gepennt, doch der andere Kater lief von rechts nach links, drückte sich ans Gitter. Allerdings hat er, als ich mit ihm sprach, gleich ein Wahnsinns-Geschnurr angestimmt. So sassen wir drei da, die beiden Kater und ich. Die zwei Büsis haben Stereo-Schnurren praktiziert.

25. August: Es dauert nur noch ein paar Stunden
Als ich heute bei Emsy zu Besuch war, kroch er gleich auf meine Schoss. Trotz eingebundenem Bein kletterte an mir hoch. Er krallte sich in meiner Schulter fest. Dann legte er sich der Länge nach auf meine Brust, drückte seinen Kopf fest an meinen Hals und erzählte mir, dass er nicht mehr da bleiben wolle. Es sei derart langweilig, ich solle doch alles unternehmen, dass dieser Horror endlich ein Ende habe. Er wolle einfach nicht mehr, vermisse die DPD, seine Freundin und das Gras unter seinen Füssen.

Tja, diesen Notruf haben vermutlich auch noch andere gehört. Man hat mir gesagt, ich könne ihn morgen gegen Abend mit nach Hause nehmen. Allerdings muss er am Montag nochmals hin zum Verband wechseln, aber immerhin darf er heim.
Als er das gehört hat, hat er die Oehrchen gespitzt, sich aufgesetzt und laut zu schnurren angefangen. Nun weiss er, dass er in etwas mehr als 24 Stunden daheim ist.

26. August: Zu früh gefreut
Oft kommt es eben anders als man denkt. Emsys Bein ist noch so stark geschwollen, dass man die Schiene, die er in den nächsten Wochen tragen muss, nicht anpassen konnte. Vermutlich wird dies nun am Montag gemacht. Also bleibt vorerst alles beim Alten. Ich werde ihn morgen wieder besuchen gehen. Schade, hatte mich so gefreut, den Streuner wieder daheim zu haben. Aber es ist ja nur aufgeschoben. Sehen wir eben nächste Woche weiter.

27. August: Emsy im Himmelbett
Heute habe ich Emsy sein Himmelbett (Liegekissen) gebracht, damit er sich schon wieder etwas ans Daheim gewöhnen kann. Er legte sich sofort ins gut gepolsterte Kissen und schnurrte friedlich vor sich hin. Dabei schaute er ganz interessiert durchs Fenster nach draussen. Vermutlich kam er sich vor, als läge er in der DPD auf dem Fenstersims. Es haben nur noch die LKWs und Transporter gefehlt, die über den Hof brausen. Es hat ihm jedenfalls gefallen, was da draussen los war. Jedes Blättchen, das vom Baum herunterfiel, war für ihn spannend. Wie bescheiden man doch wird, wenn man lange im Spital liegt.

28. August: Viel Platz für Emsy
Emsy hat einen riesengrossen Laufstall bekommen, da im Tüz noch andere Katzen eingetroffen sind. Nun kann er seine Muskeln trainieren und von links nach rechts gehen. Trotzdem war er sehr froh, als er Tina und mich gesehen hat. Nun durfte er eine halbe Stunde auf Tinas Schoss liegen und schnurren. Danach musste Tina allerdings in die Chemische Reinigung (smile), denn alles war voller Haare. Naja, das kennen wir ja schon, das ist eben Emsys Markenzeichen.

29. August: Endlich daheim
Nun ist es so weit. Emsy ist wieder daheim. Er muss noch viele Wochen eine Schiene tragen und darf nicht raus. Ihm scheint das aber im Moment egal zu sein. Kurz nach seiner Ankunft zu Hause durfte er in den Garten. Dort legte er sich unter einen Busch und genoss die letzten Sonnenstrahlen bevor die Sonne unterging. Er fand es schön, in gewohnter Umgebung zu sein und den Spitalgeruch endlich gegen Grasgeschmack einzutauschen. Die anderen Katzen schauten ihn äusserst fragwürdig an und schnupperten an ihm, als sei er direkt vom Mond gekommen. Im Moment liegt er auf den Katzenbaum und freut sich, dass er wieder beobachten kann, was draussen läuft.

04. September: Wochenrückblick
Nun ist Emsy seit einer Woche daheim. Am Anfang war er stinkefaul, lag den ganzen Tag nur im Körbchen und schlief. Dies war mir auch recht, denn so musste ich keine Angst haben, dass er mir davon läuft. Wenn ich daheim bin, darf er in den Garten. Dann lege ich ihn ins Gras und setze mich daneben.
Seit Donnerstag sind die Lebensgeister wieder erwacht. Jetzt genügt es ihm schon nicht mehr, nur im Gras zu liegen. Er möchte bereits wieder lange Wanderungen unternehmen, was mir natürlich gar nicht gefällt. Also habe ich ihm ein "Gstältli" gekauft und ihn mit einer langen Schnur auf dem Gartensitzplatz angebunden. So kann er nun kleinere Spaziergänge machen und ich kann ihn mal 10 Minuten aus den Augen lassen. So war das eigentlich gemeint und ich fand das auch eine wunderbare Idee. Diese Idee hat Emsy aber gar nicht gefallen. Als ich 10 Minuten später nach ihm schaute, war das Gstältli leer!!! Oh Schreck, mir ist fast das Herz in die Hosen gefallen. Ich habe ihn im ganzen Garten gesucht, ohne Erfolg. Dann habe ich ihn entdeckt. Er lag im Zimmer in seinem Korb und hat mich nur angelacht - Schelm.

05. September: Emsy auf Wanderschaft
Jaja, er sollte ja nicht in den Ausgang gehen. Doch bei Emsy ist das eben sehr schwierig. Was er sich in den Kopf setzt, das zieht er durch. Da kann man machen was man will. Wenn Emsy sich auf den Weg zur DPD macht, lässt er sich von nichts und niemandem aufhalten. Da entwickelt er enorme Kräfte.
Gestern hat er den ganzen Tag geschlafen. Am Abend, als er ausgeruht und frisch war (im Gegensatz zu mir), machte er sich auf den Weg Richtung DPD. Da half alles Schimpfen und Toben nichts. Brachte ich ihn in den Garten zurück, dauerte es keine drei Minuten und er war bereits wieder am Wegmarschieren. Ich musste eben gute Miene zum schlechten Spiel machen und bin ihm nachgegangen. Nach 100 Meter war seine Energie am Ende "low battery". Vollkommen erledigt legte er sich in den Vorgarten einer Nachbarin. Er konnte nicht mehr aufstehen, vermutlich haben ihm alle Knochen wehgetan. "Tja, lieber Emsy, wer nicht hören will, muss fühlen". Da war er aber froh, dass ich ihn wieder nach Hause getragen habe. Dafür hat er die ganze Nacht keinen Mucks gemacht und brav geschlafen.

09. September: Aua, das tut weh
Seit einigen Tagen ist Emsy komisch. Er frisst nicht, ist mürrisch und liegt nur noch rum. Ich habe den Eindruck, es geht ihm nicht gut. Bei einem Streuner wie Emsy ist es ein Warnsignal, wenn er nicht versucht abzuhauen. Was ist wohl los mit ihm?
Beim Verbandswechsel wurde uns klar, was los ist. Sein Bein ist nun seit vielen Wochen eingepackt und mit einer Gipsschiene versehen. Darunter sind offene Stellen entstanden, die ihm sehr wehgetan haben. Unter Aufsicht der Tierärztin durfte Emsy einen Nachmittag lang ohne Schiene rumliegen in der Hoffnung, dass er das tut, was eine reinliche Katze normalerweise tut: sich sauberlecken. Auch wenn Emsy nicht immer die saubersten Füsse hat und oft als kleiner Dreckspatz durch die Gegend läuft, hat ihn hier der Instinkt nicht im Stich gelassen. Als ich am Abend kam um ihn abzuholen, war das Bein sauber geputzt. Die alte Haut war weg und die Härchen standen bereits wieder auf. Das hast toll gemacht, Emsy. Seither frisst er wieder normal und hat bereits wieder den Drang nach langen Spaziergängen.

11. September: Liebeskummer lohnt sich nicht mein Darling
Kaum lassen die Schmerzen nach, will der gute Emsy zur DPD. Es ist mir schon klar, dass er seine schöne Freundin schon lange nicht mehr gesehen hat, doch so geht das nun auch wieder nicht. Ich habe mit ihm einen langen Spaziergang durch die Nachbarschaft gemacht und gehofft, dass er dabei müde wird. War wohl nichts, denn kaum war er daheim, wollte er schon wieder raus. Er hat unentwegt die Nase in die Luft gestreckt und den Weg Richtung DPD eingeschlagen. Es war zum Verrücktwerden. So habe ich mich ins Auto gesetzt und bin mit ihm in die DPD gefahren. Ich dachte, es wäre vielleicht nicht schlecht, etwas Transportluft zu schnuppern. Vor der Eingangstüre hat er sich der Länge nach hingelegt und die bekannten Geräusche in sich eingesogen. Ich sass daneben und habe gute Miene zum schlechten Spiel gemacht. Hoffentlich hat uns niemand gesehen, sonst stecken die mich noch weg! Mit Emsy an der Leine sind wir vom Tor zur DPD und wieder zurück marschiert. Naja, marschiert ist wohl etwas zu viel gesagt. Es war eher so, dass Emsy mich an der Leine hatte. Dass ich ihm nicht noch unter die Thommen-Rampe gefolgt bin, ist ein Wunder. Jedenfalls ging es über Stock und Stein. Er beschnupperte jeden Stein und jedes Gräschen. Seine Freundin haben wir nicht entdeckt, doch Shiva hat ihn dafür getröstet. Sie hat ihm mit ihrer rauen Zunge die Ohren geputzt. Wenn das nicht Liebe ist.

18. September: Hat er wohl was gelernt?
Donnerstag und Freitag war Emsy bei seinen Freundinnen in der DPD. Obwohl diese grosse Bedenken hatten, Emsy würde ihnen eventuell weglaufen oder sie den ganzen Tag damit müden, dass er nach draussen will, ging alles wunderbar. Er dachte überhaupt nicht daran, die DPD zu verlassen. Stattdessen legte er sich unters Pult und liess sich den ganzen Tag nicht blicken.
Damit er mal etwas Luft schnuppern und auch mal ein "Pisschen" machen konnte, brachte man ihn dann über den Mittag nach draussen. Er streckte die Nase in die Luft, spitzte die Ohren und hörte die nahe gelegene Schnellstrasse. In panischer Angst rannte er wieder rein. Hat er wohl was gelernt? Leider ist es ja so, dass diese Angst mit der Zeit verblasst und er schon bald nicht mehr weiss, wie gefährlich Autos sind.
Im Moment liegt er auf dem Sitzplatz, dick eingepackt in eine Decke. Er schläft schon den ganzen Tag. Ab und zu wacht er auf, tretelt etwas auf der Decke rum und legt sich wieder hin. So richtig wach wird er erst bei Sonnenuntergang. Dann wachen auch die letzten Lebensgeister in ihm auf und es ist nicht einfach, ihn zu bremsen. Wenn man ihn liesse, würde er den Weg Richtung DPD antreten und wie gewohnt um sechs Uhr in der Früh auf seine Freundinnen warten.
Tja, lieber Emsy, dafür ist es noch zu früh. Noch gibt es Hausarrest, auch wenn du diesen auf dem Gartensitzplatz verbringen darfst.

23. September: hinter Gittern
Emsys Bein will nicht so heilen, wie wir das möchten. Statt es brav zuheilt, geht immer wieder eine Stelle auf. Und so was tut bekanntlich weh. Das hat auch die Tierärztin erfahren müssen, als sie Emsy den neuen Verband anlegen wollte. Es blieb jedenfalls beim Wollen, denn Emsy hat sich gewehrt. Und wer Emsys Krallen kennt, der weiss auch, dass man in solchen Situationen lieber nachgibt. Kurzum, es gab keinen Verband mehr, stattdessen wurde er in den "Knast" verbannt. Nun darf er zwar ohne Verband rumliegen, hat aber dafür nur noch einen Quadratmeter zur Verfügung, nämlich im Gehege. Am Tag ist das ja kein Problem, denn dann schläft er sowieso. Doch kaum steht der Mond am Himmel, wird er wach. Dann ist es aber aus mit der Ruhe. Dann findet er sein Gefängnis gar nicht lustig. Und ich finde den Emsy nicht mehr lustig. Kurzum, dann mögen wir uns beide nicht mehr so richtig. Ich kann ihn aber beruhigen, denn am Montag kommt vermutlich wieder der Verband ans Bein und er darf wieder durch die Gegend spazieren (in kleinstem Rahmen).

28. September: Emsy zählt die Tage
Man sieht den Fortschritt jeden Tag. Er läuft schon, als sei nichts gewesen. Manchmal ist es wirklich schwierig, ihn so eingesperrt zu sehen. Er möchte raus in die Natur, am Gras riechen und den Fliegen nachspringen. Doch all das darf er noch nicht, armer Kerl. Damit er mindestens etwas Luft schnuppern kann, stelle ich ihn mitsamt Käfig auf den Gartentisch. Dann kann er wenigstens alles beobachten und die Düfte aufnehmen, die bis zu ihm vordringen. Am Tag liegt er bei uns im Büro und wird den ganzen Tag von allen bewundert, gestreichelt, gefüttert und "gehätschelt und getätschelt". Das gefällt dem alten Schlitzohr natürlich, wenn so viele Weiber um seine Gunst anhalten. Nicht nur er zählt die Tage, bis das elende Kapitel abgeschlossen werden kann. Auch ich wäre froh, endlich wieder mal ein normales Leben führen zu können. Seine Unruhe überträgt sich auch auf mich und ich muss mein ganzes Leben nach ihm ausrichten. Ich freue mich auch schon darauf, wenn er wieder raus kann und die Wege einschlagen kann, die er möchte.

30. September: Uff, das war aber knapp!
Jeden Morgen das gleiche Ritual. Ich stehe auf und erlöse Emsy aus seinem "Nacht-Gefängnis". Dann stellt er sich vor die Türe und bittet mich mit Riesenaugen, dass ich ihn doch in den Garten lasse, damit er sein Geschäft in meinen Blumen (grins) statt im Katzenklo verrichten kann. Naja, wer mich kennt weiss ja, dass ich da nicht Nein sagen kann. Nachdem er fertig gescharrt hat, lege ich ihn auf die erste Etage des Katzenbaums auf meinem Sitzplatz. Dort liegt er und schaut den anderen Katzen zu. Zwischen Duschen, Kaffeetrinken und Butterbrotschmieren schaue ich alle zwei Minuten nach ihm. Nicht dass er mir noch abhaut. Wenn er mich sieht, schaut er ganz lieb und brav. Wenn ich aber mehr als drei Minuten nicht rausschaue, muss ich mich bereits auf etwas gefasst machen. Dann versucht er abzuhauen. Also habe ich ihn gestern kurzerhand angebunden. Upps, das hat ihm aber gar nicht gefallen. Er war stinkesauer. Heute habe ich das sein lassen, denn er machte mir einen lieben und braven Eindruck. Wie immer, der Schein trügt. Als ich nach drei Minuten wieder rausgeschaut habe, war er weg. Jetzt ist mir aber das Herz in die Hosen gefallen. Mein Puls war so hoch wie schon lange nicht mehr. Dieses Schlitzohr ist einfach weggelaufen. Ich wusste gar nicht recht, in welcher Richtung ich suchen sollte, habe mein Vertrauen verflucht. Dann sah ich ihn. Er spazierte mit Shiva zusammen durch den Nachbarsgarten. Dies ist das Ende der vertrauensvollen Geschichte. Ab jetzt wird er wieder angebunden, auch wenn er noch so knurrt und schmollt. Was er nicht weiss, weiss dafür ich "nur aus der Erfahrung wird man klug".

1. Oktober: Herzklopfen
Es musste ja so weit kommen, er hat mich "gelinkt". Erst hat er mich müde gemacht, indem er mich etliche Nächte nicht schlafen liess, dann hat er einen auf "Lieb-lieb" gemacht, damit er den Käfig umgehen konnte. Und zum Schluss ist er still und leise abgehauen! Da soll mir mal einer erzählen, Katzen seien dumm. Da muss ich aber lachen. Er war den ganzen Abend vorbildlich lieb, hat in seinem Kissen geschlafen, als könne er kein Wässerchen trüben. Kaum war ich auf dem Sofa eingeschlafen, hat er husch die Katzentürchen gecheckt. Dabei hat er mit Freude festgstellt, dass ich nicht nur müde sondern auch unachtsam war. Die eine Katzenklappe war offen. „Ergreifen Sie die günstige Gelegenheit“ und weg war er.
Als ich von meinem Fernsehschlaf aufgewacht bin und Emsys Verschwinden entdeckt hatte, bekam ich aber Herzklopfen. Immerhin kennt er die Gegend und kann sich nicht verirren, das war beruhigend. Trotzdem habe ich mich (mit meinen anderen im Schlepptau) auf die Suche nach dem Ausreisser gemacht. In der Dunkelheit um ein Uhr in der Früh war das aber eine aussichtslose Angelegenheit. Zudem hätte er nie und nimmer auf mein Rufen reagiert, denn er weiss ja, dass er dann wieder eingesperrt wird.
Heute Morgen habe ich ihn dann entdeckt. Da sass er friedlich vor der Real-Technik und hat mich ausgelacht. Ich habe ihn nach Hause befördert und ihm Stubenarrest gegeben. Nun liegt er hier und träumt von einem Ausflug, der leicht hätte ins Auge gehen können.

10. Oktober: Dieses elende Schlitzohr
Ist er nicht ein ausgekochtes Schlitzohr? Der gute Emsy fordert mich aber echt. Nachdem er nun jeweils am Vormittag bei der DPD und am Nachmittag bei mir im Geschäft ist, war ich voller Hoffnung, dass sein Drang nach draussen etwas abnimmt. Doch Emsy sucht nach wie vor jedes Schlupfloch, um nach draussen zu gelangen. Besonders am Morgen früh, wenn meine Samtpfoten vom nächtlichen Ausgang nach Hause kommen, heisst das immer "Katzenklappe auf / Katzenklappe zu". Ich muss Emsy immer gut in Schach halten, damit er mir nicht versehentlich doch nach draussen schlüpft.
"Nur noch kurz die Zähne putzen, Emsy auf den Arm nehmen und dann ab Richtung DPD". So lautete mein Plan. Doch Emsy hat ihn durchkreuzt. Er hat sofort erkannt, dass ich vor dem Zähneputzen die Klappe geöffnet hatte und schwupps, war er weg. Ich habe ihn gerade noch erwischt, als er beim Kindergarten im Nachbarhaus um die Ecke bog. Als ich ihn gerufen habe, rannte er davon! Ich stiefelte ihm nach durch das noch nasse Gras, und das alles barfuss. Herr Kneip hätte sich gefreut. Es war aussichtslos, denn wenn sich eine Katze nicht zeigen will, findet man sie auch nicht. Nachdem ich um alle Nachbarhäuser gegangen war und intensiv Ausschau nach diesem Schlitzohr gehalten hatte, bin ich nach einer Viertelstunde ohne Emsy nach Hause zurückgekehrt.
Und was habe ich da entdeckt? Auf dem Katzenbaum sass Emsy, blinzelte mich ganz frech an. Ich konnte es kaum fassen. Der hatte mich ausgetrickst. Währenddem ich noch die Nachbargärten unsicher gemacht hatte, hat er sich nach Hause ins Trockene und Warme geflüchtet.
Kleiner Kerl, du bist und bleibst ein Schlitzohr.

14. Oktober: Hinkebein Emsy
Ausbüchsen will er nicht nur daheim, nein, auch bei der DPD. Die ruhige Zeit ist vorbei, Emsy ist wieder fit. So ist es auch nicht erstaunlich, dass er auch in der DPD jeden Luftzug spürt und nach draussen will. Allerdings ist dieser Drang nur in seinem Kopf, denn sobald er draussen steht und die Autos hört, ergreift ihn die Panik. Dann zittert er am ganzen Körper, duckt sich und will wieder rein.
Er hat den Luftzug gespürt, als man ein Fenster geöffnet hat und wollte auf den Fenstersims klettern. Dabei ist er runtergefallen und dummerweise genau auf seinem verletzten Bein gelandet. Aua! Jetzt tut das dumme Bein wieder weh und Emsy hinkt. Tja, guter Emsy, nur aus der Erfahrung wird man klug. Wer nicht hören will, muss fühlen. Musst aber keine Angst haben, das wird schon wieder. Wer so viele Unfälle überlebt hat, wird wohl wegen einem verstauchten Bein nicht gleich aufgeben.

25. Oktober: Mit einem weinenden und einem lachenden Auge
Nun ist es so weit! Ich habe Emsy in die Natur entlassen. Es ist mir nicht leicht gefallen, ihn einfach ziehen zu lassen. Mit einem weinendem und einem lachenden Auge habe ich ihm nachgeschaut. Ein weiteres Emsy-Kapitel ist abgeschlossen.
Ich habe sein leuchtendes Halsband nochmals geprüft und ihm erklärt, dass er die Autos meiden soll. Seine Schutzengel haben schon so viel für ihn getan, man wisse nie, wie lange die das noch durchhalten. Er hat mich mit seinen grossen, treuen Augen nur fragend angeschaut. Irgendwie ist er mir in den letzten Wochen sehr ans Herz gewachsen, auch wenn er mich jede Nacht mit seinem Rufen wachgerüttelt hat. Normalerweise sehe ich ihn den ganzen Sommer durch nicht, denn er verbringt die warmen Sommernächte lieber draussen als daheim. Erst im Herbst, wenn es kälter wird, bleibt er nach Feierabend in seiner Villa vor der DPD und wartet darauf, dass ihn das Luska-Taxi abholt.
Ich bin noch ein Stück mit ihm mitgegangen und habe geschaut, ob er direkt zur DPD rennt oder das Revier etwas gemütlich durchforstet. Er hat jedes Gebüsch und jeden Grashalm in den benachbarten Gärten beschnuppert. Wenn er das durchzieht, kommt er nicht weit, denn bis er die 160 Gärten durch hat, ist er müde geworden.
Nun heisst es warten. Wird er in der Roche oder in der DPD auftauchen? Versteckt er sich wieder bei der Real-Technik oder hinter dem Parkplatz der Firma Leimgruber? Wann wird er die DPD erreichen? Ich bin sehr gespannt, wo er als erstes gesichtet wird.
"Emsy, ich wünsche Dir viel Glück in der Natur. Grüss mir Deine schöne Freundin und versprich mir eins; Pass auf mit den Autos. Merk dir endlich, dass eine grosse, breite Unterführung zur DPD führt, wo nichts passieren kann. Lass es dir gut gehen und hol alle Abenteuer nach, die du in den letzten Monaten vermisst hast."

27. Oktober: Wo ist er geblieben?
Nachdem Emsy endlich in seine Freiheit durfte, konnte er es kaum fassen. Ich glaube, der Gedanke daran war ihm noch ungeheuer. Ich habe ihn noch ein Stück begleitet und gesehen, dass er die Gärten in der Umgebung durchforscht. Jedenfalls war ich total erstaunt, dass er am Abend als ich nach Hause kam wieder auf seinem gewohnten Platz daheim lag und schlief. Anscheinend hat er nur einen Rundgang gemacht und ist brav wieder nach Hause gekommen.
Als es dann Nacht wurde, erwachten (wie immer) seine Lebensgeister. Bis 04.00 Uhr blieb er noch daheim, doch dann war der Drang stärker. Er schlich sich davon, hinaus in die Dunkelheit. Hat SIE ihn wohl gerufen? Seither hat ihn niemand mehr gesehen. Sicher braucht er 1 - 2 Tage, bis er sämtliche Pflänzchen und jeden Pfotenabdruck in seinem Revier inspiziert hat. Naja, das kennen wir ja schon von ihm. In solchen Sachen hat er Ausdauer. Erst wenn der Hunger gross genug ist, steht er wieder auf der Matte.
Ich freue mich mit ihm, dass er nun wieder der Alte sein darf. Hoffentlich hat sie auf ihn gewartet und sich nicht einen anderen Lover angelacht. Schliesslich konnte er ja nichts dafür. Wir waren ja schuld daran, dass er so lange nicht ins Revier kommen durfte.

28. Oktober: Emsy hat ein Harem
Nachdem Emsy seit Mittwochmorgen nicht mehr gesichtet worden ist, habe ich mir allmählich Sorgen gemacht. Also habe ich mich gestern Abend auf die Suche gemacht und alle Winkel abgesucht, in denen er sich normalerweise rumtreibt. Er war nirgendwo zu finden. Vor der Roche habe ich Nero entdeckt, den schwarzen Nachbarskater. Schon wieder hat er sein Halsband verloren, hab ich mir gedacht. Wenn ich Nero rufe, kommt er immer ganz aufgeregt auf mich zugerannt. So war es aber nicht.
Er kam ganz langsam näher, war sogar etwas schüchtern. Als er dann aber das leckere Futter in meiner Hand sah, wurde er putzmunter. Mit gutem Appetit hat er alles verschlungen. Er liess sich von mir streicheln, blieb aber immer relativ distanziert, was ich von Nero gar nicht kenne.
Dann war ich platt - nein, mehr als platt. Aus dem Gebüsch kroch Nero hervor. Er trug noch immer sein leuchtendes, rotes Halsband. Wen hatte ich denn jetzt gefüttert? Da sassen zwei pechschwarze Katzen vor mir und schauten mich verwundert an. Da wurde mir klar, dass Emsy ein Harem hat. Nicht nur Nero, auch Emsy verbringen ihre Zeit in der Industrie, da es dort von schönen Ladies wimmelt. Na dann Prost, dann haben die zwei Burschen ja was zu tun.
Es musste ein anstrengender Abend gewesen sein, denn Emsy schlich sich am Freitagmorgen völlig erschöpft zur DPD. Er war todmüde, schlief den ganzen Tag. Auch jetzt, als ich ihn nach Feierabend nach Hause geholt hatte, legte er sich auf den Katzenbaum und schlief sofort ein. Ich habe ihn mir genau angeschaut. Er ist wieder der Alte, frech und unternehmungslustig. Seine Pfoten sind bereits wieder so grau wie immer. Bestimmt wird er noch vor Sonnenaufgang auf die Pirsch gehen, neuen Abenteuern entgegen.

30. Oktober: Daheim ist es doch am schönsten
Kaum zu glauben; Emsy kam freiwillig und unversehrt nach Hause. Vermutlich hat er es eingesehen DAHEIM IST ES DOCH AM SCHÖNSTEN. Er lag den ganzen Tag auf dem Katzenbaum und hat die warme Herbstsonne genossen. Zusammen haben wir dann einen Spaziergang durch das Laub gemacht. Welch schöner Herbsttag! Wir haben es ausgiebig genossen. Die Katzenfamilie durfte sich nochmals die Sonne auf den Pelz scheinen lassen. Ich dachte, diese Herbstimpressionen darf ich Euch nicht vorenthalten. Mit der Kamera habe ich das Rumtollen erfasst und mich gefreut, dass es der Familie wieder so gut geht. Noch vor wenigen Wochen hätte ich nicht gedacht, dass wir im Herbst wieder mit Emsy durch das Laub stapfen dürfen. Es ist schön, dass es ihm wieder so gut geht und er ab und zu den Weg nach Hause findet.

03. November: Mein Idol: Roger Federer (oder doch Emsy?)
Es gibt Sportler, die haben einen riesengrossen Fan-Club. Sie werden umschwärmt von den schönsten, knackigsten Frauen und angehimmelt von Omis und Grosis. Leider verletzen sich auch die besten Sportler ab und zu. Ihre Fans lassen sie aber nicht im Stich. Die echten Fans stehen auch in schweren Zeiten hinter ihrem Idol.
Ob Emsy wohl zu viel Radio gehört hat? Seit neustem hat Roger Federer ja einen Fanclub (den hat Emsy schon lange). Wegen einer Verletzung konnte Roger nicht an den Swiss Indoors teilnehmen, hat also an der wichtigsten Veranstaltung gefehlt (Naja, Emsy war die letzten Monate auch etwas ausser Gefecht, hat lange in der DPD gefehlt und hat sich dann auch zwei Tage nicht mehr blicken lassen). Und wenn Roger Federer hinkt, wieso sollte das Emsy nicht auch machen?
Jaja, wir können gut lachen. Emsy jedenfalls hat Schmerzen und steht/geht nur auf drei Beinen. Noch wissen wir nicht, ob er sich am Fuss gezerrt oder verstaucht hat oder ob sein Kopf einfach mehr will als sein Bein kann. Kein Sportler würde nach einer derart langen "Künstlerpause" so lange Wanderungen machen wie Emsy das tut. Da ist es ja auch nicht erstaunlich, dass der Fuss weh tut. Wir hoffen sehr, dass Emsy (und natürlich auch Roger Federer) bald wieder auf allen/beiden Füssen steht.

09. November: Wochenmitte
Uff, die Hälfte ist geschafft; Die halbe Woche ist vorbei, die Hälfte der Tabletten geschluckt! Emsy humpelt zwar noch immer, doch immerhin steht er wieder auf vier Beinen. Man sieht ihm an, dass es ihm schon etwas besser geht*, auch wenn er den halben Tag in seinem Kuschelbett verschläft.
Am Nachmittag, wenn er ausgeschlafen ist, streckt er sich mal kräftig. Nachdem er von allen Seiten ausgiebig gekrault worden ist, macht er sich auf die Socken und schlendert durchs Revier. Es gibt noch so vieles zu erkunden, was sich in den letzten Wochen verändert hat. Vor Emsys Unfall war das Gelände noch eine Baustelle. In der Zwischenzeit ist die Bauzeit abgeschlossen. Neben dem Bürogebäude steht nun eine riesengrosse Halle, in der lautstark Metall recycled wird. Am Lärm hat sich unser Streuner noch nie gestört. Er schaut den Staplern und Lastwagen zu, die Metallberge anhäufen oder abbauen. Das ist interessant, da läuft was. Und wenn er gut aufpasst, läuft ihm vielleicht auch noch eine aufgeschreckte Maus über den Weg.
Auch draussen, vor dem Bürogebäude hat sich einiges verändert. Neben seiner Villa ist ein neues Blumenfeld entstanden. Sein Haus ist nun von neuen Sträuchern und Pflanzen eingerahmt. Doch nirgendwo sind seine Stapfen zu finden. Da muss der kleine Kerl ja wirklich lange Rundgänge machen und den Mäusen und Ratten zeigen, dass der grosse Jäger wieder da ist.
Am Abend, wenn es dunkel ist, kehrt er zurück. Meistens steht dann auch schon das Futter bereit. Mit vollem Magen und schon wieder müde, klettert er in sein Himmelbett in der Villa und wartet, bis das Luska-Taxi ihn abholt. Naja, dies ist kein Hundeleben, das ist ein Emsy-Leben und erst noch ein edles.

15. November: Dreckspatz
Kaum kann er wieder auf allen Pfoten stehen, geht die Schweinerei schon wieder los. Manchmal frage ich mich, wo er überall seine Füsse hin(ein)stellt. Aus dem wunderschönen, sauberen, schneeweiss-bepfoteten Emsy ist wieder der alte Dreckspatz geworden. Ob er sich diese schwarzen Füsse in der Lagerhalle holt oder beim Graben im Feld davor, weiss ich auch nicht. Sicher ist jedoch, dass seine Füsse wieder grau-schwarz sind. Und sauberlecken? Neeee, das kennt und will er nicht. Dies ist wohl das Emsy-Markenzeichen? Ich werde morgen mal den Fotoapparat zücken und ein Bild davon machen. Schaut also bald wieder mal rein, auch Ihr werdet staunen!

20. November: schreckliche Sache
Welch Hiobsbotschaft! Das Röntgenbild hat die schreckliche Wahrheit ans Tageslicht gebracht. Emsys implantierte Platte ist genau in der Biegung durchgebrochen. Das Gelenk ist nun wieder ohne Stütze und hat sich entzündet. Nun wissen wir, warum er gehinkt und solche Schmerzen hatte. Morgen muss der arme Kerl wieder in die Klink, wo er ein weiteres Mal operiert wird. Er tut mir enorm leid, denn er hat doch schon so viel durchgemacht. Natürlich hoffen wir alle, dass er die Operation gut übersteht und sein Bein behalten kann. Wir halten ihm die Daumen. Wir wissen, dass Emsy ein grosser Kämpfer ist. Er wird um sein Bein kämpfen, denn eines Tages will er wieder allein zur DPD gehen können.

21. November: Erstes Aufatmen
Nun schlummert er vor sich hin und weiss nicht recht, was mit ihm geschehen ist. Erst wurde er drei Tage eingesperrt, dann musste er eine lange Autofahrt auf sich nehmen. Naja, dafür hat er sich ja auch mit einem langen "Piss" in den Tragkorb gerächt (smile). Als er dann im Behandlungszimmer sass, kamen alte Erinnerungen in ihm hoch. Nein, da wollte er eigentlich nicht bleiben. Dann dachte er aber an seine Schmerzen im Bein und verhielt sich sehr ruhig und gelassen. Heute wurde Emsy nochmals operiert. Die gebrochene Platte wurde herausgenommen und durch eine stärkere ersetzt. Diese soll nun mindestens so lange halten, bis das Gelenk vollkommen versteift ist und keinen künstlichen Halt mehr braucht. Lieber Emsy, wir denken alle an dich und wünschen dir gute Besserung.

23. November: Daheim, aber noch schlapp
Unser Streuner ist wieder daheim. Allerdings ist er noch nicht richtig wach, schaut uns mit seinen riesengrossen Augen an, als ob er auf einem Drogentrip sei.
Sein Hinterbein wird wieder durch einen Gips geschmückt. Er findet das absolut schrecklich. Da dachte er doch, alles sei vorbei, und stattdessen hat alles wieder von vorne angefangen. Mindestens ist er froh, dass er daheim sein kann, denn die Käfige im Tüz kann er echt nicht mehr sehen. Da war er zu lange drin. Und die fremden Hände, die ihm ständig Tabletten und Spritzen verabreichen, würde er am liebsten beissen und kratzen. Deshalb war er auch überglücklich, als er daheim in seinen Korb kriechen durfte. Als ich ihn dann heute Morgen zur DPD brachte (wo er den Vormittag verbringen darf), wurde er wach. Seine Augen glänzten und er wurde ganz unruhig, als er das DPD-Tor sah. Ja, da ist seine Welt, da sind die Leute, die er liebt. Dort ist er glücklich. Und wir sind es mit ihm.

28. November: Schlafmütze
Es war klirrend kalt und trüb. Meine Samtpfoten blieben daheim, die einen freiwillig, die anderen eben gezwungenermassen. Ab und zu überkam sie aber die Versuchung. Dann setzten sie sich vor die Katzentüre und schauten dem Schneetreiben zu. Durch die kleine Ritze in der Katzentüre kam kalte Luft herein. Igitt, soooo kalt. Die weiseren Vierbeiner machten sofort kehrt, verrichteten ihr Geschäft im Katzenklo. Die Kleinste, Shiva, kannte den Schnee noch nicht. Sie musste erst erleben, was es heisst, kalte und nasse Füsse zu bekommen. Als sie draussen war, schaute sie etwas verwundert. Wieso war denn jetzt alles so hell und weiss? Sie sprang mit einem grossen Satz in den Schnee. Dann kam sie aber blitzschnell wieder rein. Nein, das war nicht ihre Welt. Sie schüttelte ihre nassen Pfoten, dass die Schneeflocken überall im Wohnzimmer lagen.
Emsy schlief den ganzen Tag. Am Abend wollte er raus. Ich setzte ihn nach draussen und blieb dicht bei ihm. Ihm gefiel es natürlich, frische Luft zu schnuppern, mir eher weniger. Ich bin kein Mensch, der gerne friert. Nachdem er vier Schritte über das gefrorene Gras gemacht hat, war sein Tagesbedarf an frischer Winterluft gedeckt. Mit seinem kahlgeschorenen Pelz bekam er schnell kalt und war froh, dass er wieder auf den warmen Kratzbaum liegen durfte. Er hatte beschlossen, die kalte Welt aus warmer Entfernung zu betrachten. So war das Wochenende friedlich und ohne böse Ueberraschungen.

04. Dezember: Kann man so schlafen?
Unter Emsys Gipsschiene geht schon wieder die Haut auf. Deshalb wird er nun wieder ein bis zwei Mal pro Woche beim Tierarzt gastieren dürfen. Dort kann er nämlich ohne Gipsbein rumliegen. Auf diese Weise kommt Luft an sein Bein und er kann sich die Wunden so lange trockenlecken wie er will. Am Freitag wurde er sogar von seiner kleinen Freundin Shiva begleitet. Diese war nämlich flügge geworden und musste sterilisiert werden. Zu zweit im Käfig ist es viel interessanter, da kann man sich mindestens etwas erzählen. Am heutigen Sonntag war es furchtbar langweilig. Draussen fegte der Wind durch die Bäume und es regnete. "Wie schön ist es doch im Bett" dachte unser Emsy und legte sich in seine Höhle. Das Gipsbein ist zu lang, weshalb er es elegant nach draussen hängen liess. Kann so was bequem sein? Emsy fand es ganz okay, denn er legte sich nach einem kurzen Rundgang durch die Wohnung wieder in sein Himmelbett. Morgen darf er dann wieder zur DPD, das wird langsam Zeit. Er kann nämlich nicht verstehen, wieso er am Freitag zum Tierarzt statt ins Büro gehen musste.

11. Dezember: Jetzt reichts aber langsam!
Er hat die Nase voll, das merkt man. Auch wenn er sich sehr brav benimmt, spürt man sein Unbehagen. Emsy will aus seinem Käfig raus. Es ist nicht so, dass er den Drang nach draussen in den Garten hat. Er merkt auch, dass es draussen sehr kalt ist. Am liebsten würde er durch die Wohnung gehen und sich mal die Füsse vertreten. Der Käfig ist einfach zu eng und unbequem. Für mich ist es nicht leicht, ihn eingesperrt zu lassen. Wenn er mich so ansieht, muss ich mich zurückhalten, um ihn nicht einfach rauszunehmen. Es ist wirklich wichtig, dass er nicht umherspaziert, dass er sein Bein schont, solange er keinen Gips trägt. Die offene Stelle ist (aus der Sicht eines Laien) gut am Heilen. Allerdings stellt sich für mich die Frage, was wohl passiert, wenn er wieder seinen Gips erhält. Er ist dann mobiler und darf endlich wieder durchs Zimmer gehen, doch ist nicht klar, ob die Haut das aushält. Vielleicht kommt es auf einen Versuch an? Sicher ist, im Moment bleibt er gipslos und muss den Käfig hüten. "Emsy, wir tun das für Dich, nicht weil wir dich ärgern möchten. Halt also durch und sei ein braves Kerlchen".

20. Dezember: Stress im Katzenhaus
Nein, es ist nicht so wie Sie denken. Emsy macht dieses Mal keinen Stress. Es ist die ganze Situation, die MICH stresst und mir keine Zeit lässt, um die News einzutragen. Ich habe schon ein ganz schlechtes Gewissen, dass ich erst heute wieder einen Eintrag mache. Wenn ich daheim bin, muss ich stets auf der Hut sein und dafür sorgen, dass Emsy nicht läuft. Manchmal ist das leichter gesagt als getan. Wenn er auf dem Kistchen ist, muss ich ihn bewachen, denn kaum lässt man ihn aus den Augen, will er die günstige Gelegenheit ergreifen...
Emsy verhält sich eigentlich sogar vorbildlich. Er darf ja nicht gehen, da er ohne Gips ist. Er muss seinen Käfig hüten. Das nimmt er aber sehr gelassen. Tagsüber begleitet er mich ins Büro. Am Abend liegt er entweder neben mir auf dem Sofa und schaut mit mir zusammen Tatort oder legt sich in seinem Käfig in sein Körbchen. Ich muss ihn echt loben. Er ist wirklich ein ganz lieber Kerl.
Natürlich spitzt er die Ohren, sobald er die Katzentüre hört, die Klack-Klack macht. Dann schaut er mich fragend an. Vermutlich sieht man es mir an. "Nein, lieber Emsy, du bleibst hier". "Pech gehabt", denkt er und legt sich wieder hin.
Noch ganze zwei Wochen muss er so rumliegen und nur davon träumen, wie schön doch Spaziergänge sind. Dann darf er wieder durch die Wohnung schlendern, darauf freut er sich schon sehr. Dieses Rumliegen tut seinem Bein echt gut. Die offenen Stellen sind schon fast ganz zu. Dennoch wäre es noch zu früh, ihm wieder einen Gips anzuziehen, denn die Haut würde wahrscheinlich sofort wieder aufspringen. Solange er sich so lieb verhält wie jetzt, sehe ich auch gar keinen Grund, weshalb man ihn mit dieser Schiene quälen soll. Ich glaube, er weiss selber, dass das nun eben sein muss. Manchmal habe ich den Eindruck, Katzen sind schlauer als wir denken.

31. Dezember: Rückblicke auf ein ereignisvolles Jahr
Alle sind daheim, denn draussen ist es verschneit und nass! Auch Emsy fühlt sich in der warmen Stube bedeutend wohler als draussen. Er liegt den ganzen Tag unter dem Sofa und geniesst die Wärme der Bodenheizung.
Es war ein hektisches Jahr mit vielen Hochs und Tiefs. Nachdem die kleine Shiva zu uns gestossen ist, war das Glück im Katzenhaus vollkommen. Doch dann, am 10. August geschah der Unfall. Emsy wurde von einem Auto angefahren und schwer verletzt. Wir mussten um ihn bangen und wussten lange nicht, ob er sich von diesen Verletzungen überhaupt wieder erholen würde. Dieses Ereignis hat uns allen grosse Unruhe und Sorgen gebracht. Es dauerte viele Wochen, bis wir ein erstes Mal aufatmen konnten. Es schien, als hätte Emsy alles überstanden. Sein Kampf hatte sich gelohnt. Er wurde belohnt für seine Leidenszeit, in der er erst wochenlang im Spital, dann noch zwei Monate im Hause bleiben musste. Endlich wurde er Ende Oktober in die Freiheit entlassen und durfte seinem Lieblingshobby, dem Streunen, wieder nachgehen.
Mit Emsy war auch ich angebunden. Ich konnte nicht mehr ausgehen oder nach dem Training etwas trinken gehen. Daheim sass ja Emsy und wartete darauf, dass ich mich um ihn kümmerte. Also beschloss ich, das Beste daraus zu machen. Wenn ich schon angebunden war, dann wollte ich die Zeit für etwas Sinnvolles nutzen. Durch die aktuelle Situation wurden meine Ideen geweckt. Ich beendete mein drittes Buch "Vier Pfoten auf dem Weg ins Glück".
Am 2. November kam der schlimme Rückfall. Emsy kam hinkend auf drei Beinen nach Hause. Was erst nach einer Verstauchung aussah, entpuppte sich als Desaster. Die Platte, die sein Sprunggelenk zusammenhalten sollte, war gebrochen. Noch einmal musste er unters Messer, wieder erhielt er Stubenarrest. Und dann sollte es noch schlimmer kommen. Sein geschundenes Bein kam mit der Gipsschiene nicht klar und sprang auf. Nun war es vorbei mit dem Spazierengehen. Von da an musste er in einem Käfig liegen, denn er durfte ohne den Gips überhaupt nicht gehen. Doch auch das hat er brav ertragen. Es war, als wisse er, wie es um ihn steht. Noch selten war der kleine Kerl derart lieb. Er blieb in seinem Gefängnis und machte keinerlei Anstalten, als wolle er raus. Nun sind die Käfigwochen vorbei und Emsy darf ab Dienstag wieder durch die Wohnung schlendern. Auch wenn die Natur für ihn noch ein Tabu ist, geniesst er mindestens diese Freiheit.
Tagsüber durfte er mich ins Geschäft begleiten. Auch dort verhielt er sich vorbildlich. Er legte sich brav in sein Körbchen auf meinem Pult und schlief mehr oder weniger den ganzen Tag. Natürlich war er die grosse Attraktion. So viele Hände streichelten ihn und brachten ihm Gudi-Gudi. Es wird ihm schwer fallen, seine neugewonnen Freunde zu verlassen und wieder den Weg zur DPD einzuschlagen.
Heute bekam er einen kleinen Freigang. Er durfte aus dem Käfig raus und sich unters Sofa legen. Dort liegt er nun und träumt vom Frühling. Er freut sich auf die Zeit, in der die Natur erwacht. Dann will er wieder raus, die Düfte der Blumen einziehen und das sein, was er immer war und bleiben wird, ein Streuner.
Ich möchte all meinen Freunden danken, die Emsy und mir in den vergangenen Monaten zur Seite gestanden sind. Meine Samtpfoten und ich wünschen Euch für den Jahreswechsel alles Liebe und Gute und dass all Eure Wünsche in Erfüllung gehen.
Christine mit Tasja, Samena, Shiva, Fehja, Miezi, Smokie, Simba und natürlich Emsy.

06. Januar: Dreikönigstag
... und da soll mir mal jemand sagen, es liege keine grosse Last auf den Schultern der Adligen. Die Bilder zeigen einmal klar und deutlich - Regieren macht müde!
09. Januar: Klirrend kalt Minus 6 Grad war es heute Morgen - igitt!!! Da mag auch die verrückteste Katze nicht mehr rumstreunen. Aus diesem Grund ergibt sich bei mir jeden Morgen ein herrliches Bild. Alle sechs Katzen sitzen friedlich nebeneinander und warten aufs Frühstück. Sie lassen mich nicht aus den Augen, schauen sehr genau, ob ich alle Töpfchen genau gleich hoch fülle. Nur Samena hält sich vorwiegend beim Nachbarn auf, denn dort gibt es ja auch Sheba und nicht nur Whiskas wie bei mir.
Sogar der wilde Simba verbringt die Nächte bei mir im Wohnzimmer. Die anderen haben sich an seine Gesellschaft gewöhnt und akzeptieren ihn, solange er sie in Ruhe lässt. Manchmal staune ich über diesen Kerl. Im Sommer trägt er sein Haarkleid sehr kurz und ist dermassen dünn, dass ich schon den Eindruck hatte, er sei krank. Jetzt, wo es draussen klirrend kalt ist, hat er lange Haare und einen buschigen Schwanz. Sein Hals wird durch einen Langhaarkragen geziert, der wie beim Löwen die imposante Erscheinung untermalt. Auch die Beine werden durch langes Haar geschützt. Es sieht aus, als trage er Reiterhosen. Vom Gewicht reden wir lieber nicht. Simba bringt garantiert 7 - 8 Kilos auf die Waage. Natürlich ist er auch ein riesengrosser Kater. Vom Gemüt her ist er friedlicher geworden. Er weiss allmählich, dass er vor mir keine Angst haben muss. Als Dank fürs Fressen und den warmen Liegeplatz hat er mir vorgestern die Hand geleckt. Es geschehen noch Zeichen und Wunder!
Gestern Nachmittag kam kurz die Sonne hervor. Emsy wollte unbedingt frische Luft schnuppern. Ich legte ihm sein Gstältli um und band ihn an die Leine. Zusammen wollten wir einen kleinen Spaziergang machen. Kaum waren wir draussen, blies ihm der Wind ins Fell. Schon bald war es aus mit seiner Unternehmungslust und er begann zu frieren. Er streckte noch ein letztes Mal die Nase in die Höhe und trabte freiwillig wieder ins warme Wohnzimmer. Dort setzte er sich ans Fenster und schaute dem Treiben aus warmer Entfernung zu. Seither ist die Katzentüre für ihn gestorben. Nun weiss er, dass der Sitzplatz zwar interessant aber viel zu kalt ist.

15. Januar: Ausgetrickst
Jaja, er hat es wieder mal geschafft. Er hat mich ausgetrickst. Ich weiss ja, dass Katzen keine Staubsauger mögen, aber irgendwann muss auch ich mal die vielen Haare wegputzen. Nööö, blöd bin ich ja nicht. Ich habe deshalb die eine Katzentüre ausbruchsicher geschlossen. Die andere habe ich im Auge behalten, bewaffnet mit meinem lärmigen Staubsauger. Erst das Bürozimmer, dann das Wohnzimmer, zum Schluss noch den kleinen Teppich vor dem Schlafzimmer. Dann wollte ich nachschauen, ob Emsy die Staubsauger-Strapazen überstanden hat. Da war ich aber sprachlos - kein Emsy war zu sehen. Nachdem ich die ganze Wohnung durchsucht hatte, war es klar - er hat mich irgendwie ausgetrickst. Währenddem ich den Schlafzimmer-Teppich gereinigt hatte, ist er abgehauen. Schlitzohr! So habe ich mich eingepackt, dicken Mantel angezogen und die warmen Schuhe, um Emsy zu suchen. Als ich die Küchentüre geöffnet habe, lachte er mich nur schäbig an. Er lag friedlich auf dem Katzenbaum auf dem gedeckten Sitzplatz und hat die spärlichen Sonnenstrahlen genossen. Mit grosser Erleichterung konnte ich mich dem dicken Mantel entledigen und mit der Winterreinigung fortfahren. Eines weiss ich nun - er ist mir allen Wässerchen gewaschen. Ich trau ihm nicht mehr über den Weg :-))))

27. Januar: Versteckenspiel im Katzenhaus
Wir wissen ja, dass Katzen liebend gern Verstecken spielen. Normalerweise finde ich das auch sehr witzig, doch gestern sass mir dann doch das Unbehagen in den Gliedern. Simba, unser wilder Kerl, bewachte das Katzentürchen. Kein Pfötchen traute sich an ihm vorbei. Wie schön, ein Bodyguard! Also konnte ich das Türchen offen lassen, denn niemand schleicht sich vorbei und Simba kann trotzdem raus.
Ich widmete mich dem Krimi. Nachdem sich dieser aber als Niete herausgestellt hatte, fiel ich in einen TV-Schlaf. Als ich kurz nach Mitternacht durch eine wilde Krimi-Schiesserei aus meinen Träumen aufgeschreckt wurde, war Simba weg. Mein erster Gedanke war "Wo ist Emsy?" Seine Hängematte war leer, ebenso seine Schlafhöhle. Ich kroch unters Bett, schaute ins Katzenklo, überprüfte die Hochsitze und Kletterbäume - alles leer. "Ach wie schön" war mein nächster Gedanke. Ich zog meine dicke Jacke und Schuhe an und begab mich in den Garten. Beissende Kälte und Schnee empfingen mich dort. Auch auf dem Sitzplatz kein Anzeichen von Emsy. Im Schnee fand ich zahlreiche Pfotenabdrücke, doch welche waren nun von Emsy und welche von den anderen? Ich musste schon nach kurzer Zeit einsehen, das jegliche Suche vergebene Liebesmüh war. Emsy wusste ja schlussendlich, wo er war. Er konnte sich nicht verirren. Vielleicht wollte er auch nur mal kurz Luft schnappen.
Unverrichteter Dinge machte ich mich auf den Weg ins Bett. Da stand er plötzlich neben mir und schaute mich mit riesengrossen Kulleraugen an. Sein Pelz war nicht eiskalt, aber auch nicht wohnlich warm. Ich wusste wirklich nicht, ob er von draussen kam oder sich drinnen irgendwo versteckt hatte. Doch eines war ihm wieder mal bestens gelungen, meinen Blutdruck in die Höhe zu schrauben. Was wird er sich wohl wieder übers Wochenende aushecken, um mich zu fordern?

06. Februar: Aufgepasst! Ich bin wieder da!
Seit ein paar Tagen lasse ich Emsy wieder in den Garten. Da es draussen sehr kalt ist, kommt er nach kurzer Zeit unaufgefordert rein, um sich aufzuwärmen. Für mich bedeutet dies, dass ich endlich wieder mal aus dem Haus gehen kann, ohne ihn in sein Zimmer einzuschliessen. Am Anfang hatte ich furchtbare Angst, dass er die Gelegenheit nutzt, um gleich wieder zur DPD zu laufen. Es war mir nicht ganz wohl, als er das erste Mal davongezottelt ist.
Schon nach 45 Minuten stand er wieder da und schien glücklich zu sein. Endlich darf er wieder raus und muss nicht durch die geschlossene Türe den anderen Katzen zuschauen, die draussen im Garten spielen. Er ist mir auch sehr dankbar dafür, dass ich ihn endlich ohne Murren raus lasse. Als kleines Dankeschön hat er mir gestern früh ein Geschenk mit nach Hause gebracht - eine dicke, fette Amsel! Der Vogel war so gross, dass er links und rechts aus seinem Maul herunterhing. Ich war entsetzt und wollte den armen Vogel retten, doch die Hilfe kam zu spät. So überliess ich die Beute den Vierbeinern. Vor allem Shiva hatte ihre wahre Freude an diesem grossen Tier. Sie rupfte den armen Kerl und freute sich über die Beute, die ihr Emsy gebracht hatte. Ausser Federn und nochmals Federn bekam sie allerdings nicht viel ins Maul. Schon bald hatte sie eingesehen, dass Futter aus dem Futternapf einfacher zu essen ist.
Ich persönlich finde es schrecklich, wenn Katzen Vögel fangen. Allerdings kann ich mir kaum vorstellen, dass Emsy die Amsel selber gefangen hat. So gut läuft er nun doch nicht, dass er sich ungesehen an eine Amsel herananschleichen kann. Vielleicht war der Vogel auch schon vorher tot.
Am Nachmittag hat er die wenigen Sonnenstrahlen genossen. Er lag in der Hängematte auf dem Katzenbaum und hat den Vögeln zugeschaut, die im Vogelhaus Körner pickten. Diese Vögel kann er nicht holen, das weiss ich genau, denn das Vogelhaus steht auf einem hohen Pfosten, den keine der Katzen erklimmen kann. Und das wissen die Vögel auch. Sie lassen sich nicht irritieren, auch wenn sie von allen Seiten beim Mittagsmahl beobachtet werden.

10. Februar: step by step
Schritt für Schritt geht es der Freiheit entgegen. Ich muss ihm vertrauen und hoffen, dass er sich beherrscht. Noch darf er nicht alleine den weiten Weg zur DPD unter die Pfoten nehmen. Er darf aber jeden Tag etwas mehr. Ganz am Anfang durfte er den Käfig nicht verlassen, dann nur in seinem Zimmer umherwandern. Später konnte er quer durch die Wohnung laufen. Dann konnte er an der Leine spazieren gehen. Wenn wir alle im Park spazieren gegangen sind, durfte er mitkommen. Es war zwar etwas mühsam mit der Leine, denn Katzen wollen ja jeden Strauch von unten sehen und jeden Baum erklimmen. Da verhängt sich die Leine ständig.
Später liess ich ihn mit Shiva zusammen in den Garten. Dabei beobachtete ich die beiden ununterbrochen. Es war nicht sehr erfreulich für mich. Ich stand da in der Kälte und schaute den beiden "Verliebten" beim Spielen zu. Ich musste ihn im Auge behalten, nicht dass er mir noch abhaut. Nachdem er sich vorbildlich verhalten hatte, öffnete ich ihm die Türe auch dann, wenn Shiva nicht dabei war. Ich war erstaunt und froh, dass er nach seinen Rundgängen ganz brav wieder heim kam.
Gestern Nacht kam der nächste Schritt. Ich sperrte ihn das erste Mal über Nacht nicht in sein Zimmer ein. Die Katzentüren standen auch offen. Ich war gespannt und leicht beunruhigt. Würde er am Morgen noch da sein oder bereits unterwegs zur DPD sein? Normalerweise marschiert er um fünf Uhr in der Früh los.
Nach dem Aufstehen war mein erster Gang in Emsys Zimmer. Dort lag er in seiner Hängematte und schlief friedlich. Da ist mir aber ein Stein vom Herzen gefallen. Natürlich könnte er sich auf dem Weg zur DPD nicht verirren, doch habe ich einfach Angst, dass er von einem Hund oder einem wilden Kater bedroht wer den könnte. Noch kann er sich nicht wehren, denn Kletterpartien liegen noch nicht drin. Am Dienstag wird er definitiv frei sein, dann sind die 12 Wochen vorbei, in denen er das (Katzen)haus hüten muss.

13. Februar: schon fast unheimlich
Wieder ist ein Wochenende vorbei und Emsy war brav daheim. Es ist schon fast unheimlich, wie lieb er sich verhält. Ich lasse ihn regelmässig raus und das geniesst er auch wirklich. Er liegt dann draussen auf dem Katzenbaum oder auf der Bank und streckt das Näschen der Sonne entgegen. Sobald er Shiva entdeckt, wird gespielt. Dann toben die beiden durch den Garten, Hügel rauf und wieder runter. Sie freut sich, dass da einer ist, der gerne mit ihr spielt. Dass sie schneller ist als er, versteht sich von selbst. Emsy versteckt sich oft unter dem Busch und schaut Shiva zu, wie sie ihn sucht. Kaum ist sie nahe bei ihm, springt er sie an. Dann geht das Rundstreckenrennen wieder von vorne los.
Manchmal geht er auf Entdeckungstour. Dann sehe ich nur noch sein Hinterteil, das sich Richtung Park davonmacht. Weniges später höre ich dann das Gekreisch der Vögel, die sich gegenseitig vor Emsy warnen. Wenn die wüssten, dass er gar nicht mehr klettern kann! Manchmal bleibt er eine halbe, ab und zu sogar eine ganze Stunde weg. Dann kommt er zurück, durchfroren und glücklich und legt sich in seine Hängematte und schläft.
Er verhält sich im Moment wie eine richtige Hauskatze. Ist dies die Stille vor dem Sturm oder hat er im Tüz eine Gehirnwäsche bekommen? Ich bin gespannt, was er in seinen Träumen ausheckt. Es kann ja kaum sein, dass sein Tatendrang nachlässt und aus dem Streuner ein Hauskater geworden ist.

17. Februar: Leidenszeit ade!
Nun ist es definitiv, Emsys Leidenszeit ist vorbei! Ab sofort darf er wieder all das geniessen, was er so unheimlich liebt. Noch ist es ihm draussen zu kalt und nass. Doch man spürt, dass allmählich seine Lebensgeister erwachen. Jeden Morgen (zu der Zeit, als er sich normalerweise auf den Weg zur DPD gemacht hatte) legt er sich auf dem Sitzplatz in die warm gepolsterte Katzenhütte und schaut der Sonne zu, wie sie langsam am Himmel erscheint. Er geniesst es so richtig, seine
Freiheit wieder zu haben. Erst wenn er sieht, wie ich das Licht anknipse und er die Küchentüre quietschen hört, kommt er rein in die gute Stube und stellt sich mit den anderen Katzen vor die Futternäpfe.
Heute war er ein letztes Mal bei uns im Büro. Eigentlich sind wir alle traurig, dass er nun wieder ein Streuner sein darf. Er war uns allen sehr ans Herz gewachsen und wir ihm bestimmt auch. Wir haben heute ein paar letzte Büro-Fotos gemacht, die wir Ihnen hier nicht vorenthalten möchten.
Auch ich kann endlich aufatmen und hoffen, dass seine Schutzengel auch künftig über ihn wachen.

20. Februar: Weg da, das ist mein Revier! Emsy ist zurück!
Unser Emsy hat heute das erste Mal das Revier in der DPD unsicher gemacht. Am Morgen war es ihm zu nass, da blieb er lieber drin. Als dann aber am Nachmittag die Sonne hinter den Wolken hervorschaute, wollte er unbedingt einen Rundgang durchs Revier machen. Wie in alten Zeiten ist er von einer Lagerhalle zur nächsten spaziert und hat überall hinterlassen "Weg da, das ist mein Revier. Emsy ist zurück!" Nun wissen es alle, der Streuner ist zurück und erhebt Anspruch auf sein Revier. Wir machen es ihm nicht streitig und weit und breit ist auch niemand zu sehen, der das tun würde. Naja, Hauptsache ist, dass Emsy bei seinem ersten Ausflug glücklich war.

5. März: Schnee, Schnee und nochmals Schnee
Ich weiss nicht, wie es bei Ihnen aussieht. Bei uns liegt jedenfalls ein halber Meter Neuschnee. Soviel Schnee habe ich das letzte Mal in unserer Region gesehen, als ich ein Kind war. Damals haben wir uns kleine Irrwege geschaufelt auf dem Kehrplatz. Soviel Schnee kennt unsere Region gar nicht. Der Strassenverkehr ist zum Erliegen gekommen, Bäume sind umgekippt und sogar der Flugplatz wurde geschlossen. Man kann sagen, es herrschte das grosse Chaos.
Und mitten in diesem Chaos wollte Emsy zur DPD. Ich konnte ihn nicht aufhalten. Um 20 Uhr hat es ihn Richtung Osten gezogen. Als ich gegen Mitternacht ins Bett ging, war er weg. Um vier Uhr in der Früh lag er dann, eingerollt in seine warme Schmusedecke, im Körbchen. Er hatte es nicht geschafft, ist irgendwann umgekehrt und nach Hause gekommen.
Tagsüber ging er regelmässig raus, wollte vermutlich checken, ob es kein Durchkommen gab. Es ist schon ein verrücktes Wetter. Zwar erschien kurzfristig die Sonne, doch die Schneemassen sind derart gross, dass nur ein kleiner Teil geschmolzen ist. Emsy kann den langen Weg gar nicht schaffen, denn er würde bei jedem Schritt tief einsinken. Der Weg ist weit. Ich denke, er könnte die zwei Kilometer gar nicht überstehen. Ich bin froh, hat er es eingesehen und ist nach Hause gekommen. Im Moment liegt er auf dem Katzenbaum in seiner Höhle und geniesst den trockenen und warmen Platz.
Shiva und Fehja fanden den Schnee Klasse. Sie spielten darin, als sei es Watte. Manchmal sah man von Shiva nur noch die Nase. Der Rest war im Schnee versunken. Sie genoss es, mit allen Vieren ins kühle Nass zu springen. Zusammen bahnten sie sich einen Weg zum Gebüsch. Darunter konnten sie sich verstecken.
Und dennoch machen mich solche Vorkommnisse nachdenklich. Wir sind doch eigentlich kleine Würstchen im Vergleich zur Natur. Sie hat uns wieder mal gezeigt, dass sie stark und unbesiegbar ist.

12. März: Wintermüdigkeit
Nach dem grossen Schnee, folgte der starke Wind. Uebrig blieb das grosse Nass! Wer in den Garten will, muss sich Stiefel anziehen, denn das Wasser steht 10 cm hoch.
"Schön blöd" denken sich meine Vierbeiner und schlafen in ihren Höhlen weiter.
Auch Emsys Drang nach draussen hält sich in Grenzen. Es ist kaum vorstellbar, doch er schlenderte NICHT zur DPD. Wie ein braver Hauskater blieb er zu Hause und schaute dem Treiben mit warmem Po durchs Fenster zu. Nur ein Mal letzte Woche nahm er die lange Reise auf sich, die restliche Zeit blieb er zu Hause.
Klar ist, dass dieser Zustand nur die Stille vor dem Sturm ist. Sobald der Frühling seine ersten Sonnenstrahlen an den Rosenweg schickt, wird  Emsy wieder munter. Geniessen wir ihn eben, solange er noch hier liegt und von besserem Wetter träumt.

19. März: Erst die Stille, jetzt der Sturm
Hab ich's gewusst oder nicht? Es war die Stille vor dem Sturm. Nun haben wir ihn - den Sturm. Kaum kamen die ersten Sonnenstrahlen, schlich sich unser Streuner davon. Erst durchquerte er nur den Park, dann zog es ihn Richtung Osten, der DPD entgegen. Das wäre ja noch gar nicht so tragisch gewesen, wäre er unterwegs nicht einem wilden Tier begegnet. Was sich genau abgespielt hat, wissen wir nicht. Fest steht jedoch, dass der gute Emsy am nächsten Morgen mit einer dickgeschwollenen Pfote in seiner Villa lag und nicht mehr daran dachte, rauszuklettern. Es musste ihm elend gegangen sein. Er schaute uns nur an mit bittenden Augen "bitte helft mir!"
Wie das bei Freigängern immer der Fall ist, brauchen die nie zu den normalen Tages- und Arbeitszeiten einen Arzt. Nein, sie suchen sich stets die Tage aus, an denen die Praxis entweder geschlossen oder erst am Nachmittag offen ist. So war es auch dieses Mal. Emsy musste mit seiner dicken Pfote lange warten, bis er endlich ein Schmerzmittel bekam. Wir wissen nicht, welches Tier ihn gebissen hat, doch das Vieh hat seine Arbeit vorbildlich gemacht. Der Zahnabdruck war jedenfalls gut zu erkennen!
Es wäre ja auch zu schön gewesen, wenn mal ein Monat vergangen wäre, an dem wir mit ihm nicht in der Tierarztpraxis stehen. Oder hatte er wohl nur Sehnsucht nach den beiden netten Damen? Dann hätten wir ja den Monat März mal abgehakt. Ich bin gespannt, was er sich für den April wieder ausdenkt.

4. April: Der Sturm hat sich gelegt
Es ist ruhig geworden um den guten Emsy. Er verbringt seine Tage und Nächte in der DPD. Dort ist er Chef und muss das Areal mit niemandem teilen. Auch im Büro darf er rumliegen, wo immer es ihm beliebt. Mit Streicheleinheiten kommt er nicht zu kurz, denn er läuft seinen Freundinnen auf Schritt und Tritt nach, egal wohin sie gehen. Dadurch macht er jeden Tag ein besonderes Fitness-Training durch. Kein Wunder, dass er am Abend in seine Villa kriecht und bis in den Morgen schläft.
Am Wochenende staunte ich nicht schlecht, als Emsy daheim sass und mich müde anschaute. Man merkt schon, dass er die letzten Monate etwas geschwächt war. Der lange Weg von der DPD zu mir nach Hause strengt ihn sehr an. Er ist dann derart müde, dass er nur noch schlafen will. Natürlich hat es mich sehr gefreut, dass er mal alleine nach Hause gekommen ist. Normalerweise muss ich ihn immer bei der DPD abholen gehen.
Okay, am Montag hat sich meine Freude etwas gelegt. Was ich als hohe Auszeichnung gewertet hatte, war nur Hunger. Man hat mir nämlich mitgeteilt, dass der Futterautomat verstopft war..... snief... und ich dachte, er käme wegen mir freiwillig nach Hause.

18. April: So ein Mistwetter
Jetzt hatten sich die Samtpfoten schon auf den Frühling gefreut. Die ersten Blumen hatten ihre Köpfe ausgebreitet und den Frühling angekündigt. Dann kam Ostern und mit den Feiertagen der grosse Regen. Das hat den Katzen gar nicht gepasst. Wo sie vor einer Woche noch Hügel rauf und runter springen konnten, erstreckt sich jetzt ein grosser See. Mit den Pfoten versinkt man nun im Matsch - igitt!
Auch Emsys Rhythmus kam vollkommen durcheinander. Da machten die Frauen der DPD doch einfach vier Tage frei und liessen ihn allein. Dazu kam noch das Mistwetter, sodass er den ganzen Tag in seiner Villa verbringen musste. Nein, so ging das nicht. Emsy entschloss sich kurzerhand, den Heimweg anzutreten. Wie erstaunt war doch die Katzenfamilie, als Emsy am Karfreitag klitschnass und todmüde im Wohnzimmer stand. Das gleiche Spiel passierte am Ostersonntag. Auch dann machte der Streuner einen Ausflug zur DPD und musste erneut feststellen, dass das Areal leer war. Dann war es mit seiner Abenteuerlust vorbei und er fühlte sich ausgetrickst und soooo allein. Am Ostersonntag blieb er kurzerhand daheim. Er wusste ja schon, dass niemand auf ihn wartete. Etwas enttäuscht, aber immerhin mit trockenen Pfoten, verbrachte er den verregneten Feiertag auf dem Katzenbaum.
Als hätte er es geahnt, heute marschierte er wieder gegen Osten. Vermutlich hatte er die Hektik gespürt, die jeden Morgen auf dem Parkplatz vor seinem Fenster herrscht. Nun wusste er, dass wieder ein Arbeitstag begonnen hatte. Und siehe da, das Tor der DPD war offen und seine Freundinnen warteten schon sehnsüchtigst auf ihn. Endlich, es wurde aber wirklich Zeit, wurde er wieder gestreichelt und verwöhnt.

4. Mai: Wer sucht, der findet!
Wer in den letzten Tagen meine Homepage gesucht hat, fand sie nicht. Ein technisches Problem hat das ganze System für ein paar Tage lahm gelegt. Nun ist alles wieder in Ordnung, und Sie können sich wie gewohnt über den Stand der Dinge im Katzenhaus informieren.
Zur aktuellen Lage (grins, fast wie in den Nachrichten):
Sina, die älteste der Damen, ist zickig wie immer. Sie muss ihren Stammplatz auf meinem Bett mit Krallen und Fauchen verteidigen.
Shiva geniesst die ersten warmen Sonnenstrahlen. Es gibt für sie nichts schöneres, als draussen im Garten unter dem Gebüsch zu liegen und den Ameisen und Fliegen beim fleissigen Treiben zuzuschauen. Welch herrliches Katzenleben!
Samena, die Griechin, hat nach dem langen Winter den Weg zu uns zurückgefunden. Sie hat in den kalten Tagen die meiste Zeit bei unserem Nachbarn verbracht, wo sie als "Prinzessin auf der Erbse" von allem nur das Beste aufgetischt bekam. Nun steht sie wieder regelmässig bei uns im Wohnzimmer und spielt mit ihren Geschwistern. Sie hat den höchsten Platz auf dem Katzenbaum im Garten für sich reserviert und verteidigt diesen gegen Eindringlinge. Miezi spürt den Frühling. Wenn er nicht auf der sonnigen Gartenbank liegt, verschwindet er, wie jeden Sommer, in sein Revier. Was er dort treibt, wissen wir nicht. Eines steht jedoch fest; Am Abend erscheint er wieder, hungrig und müde.
Smokie ist froh, dass die Gärtner nun endlich alle Bäume im benachbarten Park gefällt haben, die vom Sturm entwurzelt oder abgebrochen sind. Nun ist wieder Ruhe eingekehrt, und die Schildpatt-Lady darf wieder ungestört unter die Sträucher im Park liegen. Es duftet dort derart herrlich nach Blüten, es ist einfach traumhaft.
Fehja hat noch nicht richtig geschnallt, dass es warm geworden ist. Sie verbringt den ganzen Tag drinnen, liegt faul und meist schlafend in der Hängematte auf dem Katzenbaum. Wann werden die Sonnenstrahlen wohl ihr Näschen treffen und ihr zeigen, dass es Zeit ist, Sonne in den Pelz zu holen?
Simba kommt jeden Abend zum Fressen. Allmählich verliert er sein langhaariges Winterfell. Leider kam er mit den vielen Haaren nicht ganz klar und er ist übersäht mit Knoten und Haarballen. Die meisten reisst er sich kurzerpfote einfach aus. Wo einst eine edle Halskrause war, sieht man heute den nackten Hals. Die Spuren des Fellwechsels sind nicht zu übersehen. Wenn er gut gelaunt ist, schaffe ich es manchmal, ihm mit der Schere den einen oder anderen Knoten aus dem Fell zu schneiden. Wäre er nicht so wild, würde ich ihn kämmen und ihm helfen, sein Fell in den Griff zu bekommen. Leider musste ich schon viele Versuche abbrechen, denn Simba ist noch immer alles andere als ein schmusender Wohnungskater und lebensmüde bin ich noch lange nicht.
Emsy der Streuner ist unterwegs. Nach dem verlängerten Wochenende, an dem er vor geschlossenen DPD-Türen stand, hatte er die Nase voll. Er streikte. Statt am Dienstag brav in die DPD zu marschieren, kehrte er seinen Freundinnen den Rücken zu. Und schon wieder mussten wir ihn suchen gehen, als die Unruhe in uns gross genug war. Wir fanden ihn, glücklich und gesund, bei einer nahe gelegenen Firma. Der Schelm weiss doch ganz genau, wie man seine Frauchen auf Trab halten kann.

15. Mai: Elend ruhig
Es ist elend ruhig im Katzenhaus. Die Langschläfer haben lediglich den Liegeplatz von drinnen nach draussen verlegt. Ab und zu haben sie ihre "drei starken Minuten". Dann toben sie quer durch den Garten, jagen sich durchs Blumenbeet, den Hügel rauf und bei der Nachbarin wieder runter. Dann müssen sie ihre überschüssige Energie loswerden. Da es bei mir in der Wohnung "vorne" rein und "hinten" raus geht, bahnt sich von Zeit zu Zeit ein Rundstreckenrennen an. Dagegen ist sogar unser Schumi ein Waisenknabe. Manchmal frage ich mich ernsthaft, wie lange meine Katzentüre noch ihren Dienst verrichtet. Wenn die Katzen im Sauaffentempo durch das Türchen geschossen kommen, knallt und klappert die Türe bedrohlich, als wolle sie aus allen Angeln brechen. Naja, nicht umsonst habe ich eine Katzentüre-Sonderkonstruktion. Die sollte auch den heissesten Hetzjagden Stand halten.
Zu guter Letzt sei noch erwähnt, dass sogar der Chef Emsy wieder mal ein Wochenende daheim verbracht hat. Zur Hetzjagd ist er zwar nicht zu haben, doch zuschauen tut er gerne. Dann liegt er ganz oben in der Hängematte und schaut den verrückten Weibern zu, wie sie sich kreuz und quer durch den Garten jagen.
Und ab und zu gibt es bei diesem Treiben auch Blessuren. Wer sich ständig mit den anderen "in den Haaren liegt", bekommt ab und zu auch mal eine Kralle zu spüren. Wer das ist? Naja, wer wohl. Unser absolut verrücktes Huhn Shiva natürlich. Den Uebernamen "die kleine Hexe" hat sie nicht umsonst von der DPD bekommen. Sie hat wie schon so oft einen Riss im Pelz, der sie allerdings keineswegs davon abhält, weiterzutoben. Es lebe die Jugend!

24. Mai: Bad News: Fehja wird vermisst
Seit letzten Samstag vermissen wir unsere Fehja. Obwohl sie eigentlich immer daheim auf dem Katzenbaum liegt und nur ab und zu mal eine Runde durch den Garten macht, ist sie seit Samstag nicht mehr aufgetaucht.
Es kann ihr kaum etwas passiert sein, denn hier gibt es weit und breit keine Strasse. Zudem haben wir die hinterste und letzte Hecke durchgecheckt. Ihre Suchmeldung hängt unterdessen an jedem Baum. Radio, Tierfundbüro, Tierarzt, Tierheim und alle Nachbarn sind orientiert. Es gibt weit und breit nichts von Fehja zu hören oder zu sehen. Sie ist wie vom Erdboden verschluckt.
Ich habe von der Nachbarschaft vernommen, dass Fehja und ihre Spielgefährten oft auf dem Parkplatz mit Leuten gespielt haben, die dort ihre Autos abgestellt haben. Wer weiss, vielleicht hat jemand unsere Fehja mitgenommen. Dies würde auch erklären, warum in unserer Gegend ab und zu Katzen verschwinden und Wochen oder Monate später unversehrt und wohlgenährt wieder auftauchen. Vielleicht ist dies eine für mich absolut unverständliche Art von Katzenhaltung. Es gibt zahlreiche Leute die ausschliesslich "von den andern" rauchen. Wieso sollte es denn nicht auch Katzenhalter geben, die ausschliesslich "von den andern" Katzen besorgen???? .
Wir alle sind, obwohl wir über den Verlust traurig und zornig sind, noch immer etwas zuversichtlich und voller Hoffnung, dass Fehja doch noch eines Tages wieder zu uns zurückkehren wird. Wer das liest, möge an uns denken und mit uns hoffen, dass unsere kleine, schöne Fehja den Weg zu uns zurückfindet.
Nachtrag: Jetzt, wo ich das Foto ins Netz gestellt habe, den Eintrag nochmals durchlese und Fehjas Foto betrachte, kullern mir die Tränen runter. Ich bin unheimlich traurig.

28. Mai: Fehja, wo bist Du?
Es gibt keine Neuigkeiten. Ich habe, wie in den vergangen Tagen auch, die Nachbarschaft gefragt und gesucht und gesucht. Im Park habe ich zum xten Mal jeden Busch und Strauch durchforstet. Es gibt nicht ein einziges Zeichen meiner Kleinen. Niemand hat etwas gesehen oder gehört. Es ist einfach unglaublich.
Ein Fünkchen Hoffnung steckt noch in uns; Vielleicht ist jemand in die Ferien gefahren und hat Fehja versehentlich eingesperrt. Jetzt ist ja Wochenende und die Ferienurlauber kehren zurück. Wer weiss........

1. Juni: Die Hoffnung sinkt
Noch immer haben wir nichts von Fehja gehört oder gesehen. Shiva ist schon sehr unruhig, denn sie vermisst ihre grosse Schwester halt schon. Die Hoffnung sinkt von Tag zu Tag. Wir sind sehr traurig, vor allem auch deswegen, weil wir nichts über das Schicksal von Fehja erfahren.
So tragisch es wäre, wenn wir eine Todesnachricht bekämen, wir wüssten dann mindestens, dass die Suche ein Ende hat. Ich schaue unter jedes Gebüsch, in jeden Raum und in jeden Schrank und hoffe immer, dass sie doch noch auftaucht. Doch spüre ich, dass der Elan nachlässt und wir uns vermutlich damit abfinden müssen, dass wir unsere Liebste nie mehr sehen werden.

8. Juni: Darf ich mich vorstellen?
Mein Name ist ALENA. Ich bin sechs Wochen alt und in Luzern zur Welt gekommen. Nachdem mein Mami mit der Rasselbande nicht mehr klar gekommen ist, hat mich die Schnurrlivermittlung aufgenommen. Dort durfte ich ein paar Tage verbringen, zusammen mit etlichen Samtpfoten. Das ging aber hoch her dort. Wir durften turnen, rennen, klettern, schlafen, essen, spielen und nochmals spielen. Es war einfach toll. Allerdings musste ich mich dann von meiner Schwester trennen, denn mein neues Katzenmami hat mich nach Kaiseraugst mitgenommen.
Dort gibt es bereits andere Katzen, doch die schauen mich nur sehr wunderfitzig an. Ich weiss nicht recht, was sie von mir denken, habe fast den Eindruck, die meinen ich sei ein Zwerg. Denen werde ich aber schon noch zeigen, dass an mir alles ist, was ein Tiger braucht.
Am schönsten finde ich es, wenn ich in den Armen meines Katzenmamis liegen darf. Ich warte nur, bis sie sich hinsetzt. Dann klettere ich ihr die Beine hoch und lege mich in ihren Schoss oder in ihre Arme. Naja, sie sagt, es sei für sie nicht so einfach, denn sie müsse ja noch was arbeiten. Das ist mir eigentlich egal. Sie wollte mich - jetzt hat sie mich :-)) Tagsüber darf ich mit ihr ins Büro. Dort ist es spannend. Da klingelt es den ganzen Tag und ich höre, wie die Damen mit den schnellen Fingern über die Computer-Tasten wetzen. Manchmal helfe ich mit. Dann stelle ich mich mit meinen dicken, kleinen Pfoten auf die Tastatur und schaue auf dem Bildschirm zu, wie so eigenartige Reihen entstehen: 888888888888888888888-----------------hnnsadfaaaaaaaaaa Das ist einfach lustig.
Jetzt gerade bin ich sehr müde. Nun lege ich mich in meine Höhle und schlafe mal eine Runde.

8. Juni: im Doppelpack
Es soll mich ja niemand fragen, weshalb. Das Katzenhaus ist eigentlich voll. Trotzdem habe ich Alenas Schwester zu uns geholt. Welch zauberhaftes Katzenbaby! Wir begrüssen unsere neue Mitbewohnerin CHIARA ganz herzlich. Wie alle Dreifarbigen, ist sie eine richtige "Wildsau" und stets zu Streichen aufgelegt. Ihre Kletterpartien sind grenzenlos - Vorhang rauf und wieder runter.
Und es soll mir niemand sagen, Katzen hätten kein Gedächtnis. Alena hat ihre Schwester sofort wieder erkannt. Sie haben sich von oben bis unten nassgeleckt und liegen am liebsten ganz dicht beieinander.
Da sie noch sehr klein sind und ich keine Ruhe hätte, sie alleine daheim zu lassen, nehme ich sie tagsüber mit ins Geschäft. Sie hätten zwar ein wunderhübsches Stoffhaus, doch nein, es ist viel interessanter, sich auf dem Pult breitzumachen.

16. Juni: Chiara, der kleine Frechdachs
Kam, sah und siegte. Chiara kam zu uns und wurde nicht nur von ihrer Schwester Alena herzlich begrüsst. Auch Shiva staunte nicht schlecht, als schon wieder eine NEUE im Wohnzimmer stand. Sie freute sich eigentlich sehr, dass sie eine energiegeladene Spielgefährtin bekommen hatte. Die Angewöhnung dauerte nur gerade drei Tage. Nun toben sie zusammen rum, Polster rauf und wieder runter. Da Alena im Moment sehr krank ist, kann Chiara ihre Energie mit Shiva loswerden.
Es ist draussen unheimlich heiss und fast nicht erträglich, den Abend drinnen verbringen zu müssen. Also nehme ich die beiden Babies mit auf den Gartensitzplatz. Dort steht der heissbegehrte Katzenbaum, auf den Chiara schon klettern kann. Vor dem Gras hat sie noch Angst :-)) das kennt sie halt noch nicht. Wenn Shiva sie quer durch den Garten jagt, versucht sie immer, dem komischen grünen Ding auszuweichen. Im Gras liegt ja noch der grosse Baumstamm, darauf kann sie sich retten, um ja nicht im Gras zu landen. Es ist schon lustig anzusehen, dass eine Katze nicht weiss, was man mit Gras anfangen soll.

17. Juni: Am seidenen Faden
Eine anstrengende und nachdenkliche Woche geht zu Ende. Was vor wenigen Tagen wahnsinnig schön begann, entwickelte sich zu einem Fiasko. Alena wurde krank. Sie übergab sich eine ganze Nacht lang. Es ging ihr elend. Es stellte sich heraus, dass sie voller Würmer war. Die Entwurmung brachte zwar den Quälgeistern den Tod, doch Alena hatte grosse Schmerzen. Ihr Bauch war hart angeschwollen und sie hatte Durchfall. Natürlich verweigerte sie jegliches Futter. Da sie erst 560g auf die Waage brachte, musste man gut aufpassen, dass sie genügend Flüssigkeit und Nahrung zu sich nahm. Das tönt jetzt gar nicht schlecht, doch wie bekommt man Futter in eine Katze, die keines will? Wir haben uns alle Mühe gegeben, mit kleinen Spritzen Futter und Wasser in Alena "gepumpt". Trotzdem nahm sie ab, fast stündlich. Aus der kleinen, süssen Alena wurde eine kümmerliche Kreatur, die sich nicht mehr auf den Beinen halten konnte. Innerhalb von vier Tagen magerte sie auf die Knochen ab. Wir hatten Angst um sie. Sie lag nur noch regungslos im Körbchen, schaute mit traurigen, halboffenen Augen dem Tod entgegen.
Wir gaben nicht auf, fütterten sie stündlich mit Spezialnahrung und Vitaminpräparaten. Dazwischen gab es Wasser und Fencheltee. Und immer noch war sie schwach. Es hätte keinen Tag längern dauern dürfen, dann wäre sie unter unseren Händen weggestorben. Sie war nur noch 400g schwer, ein Häufchen Elend.
Und dann, am Samstagmorgen, torkelte sie das erste Mal zum Futternapf. Ich setzte mich daneben, wollte es wahrlich sehen. Sie frass, oder sagen wir mal, die versuchte es. Sie war zu schwach, um sich hinzuhocken, legte sich einfach daneben und versuchte mit der Zunge, ein Häppchen aufzunehmen.
Ihr Leben hing am seidenen Faden, doch das kleine Mädchen hatte gekämpft. Sie hatte gewonnen. Nun frisst sie wieder und wir sind zuversichtlich, dass sie schon bald wieder ihr altes Gewicht auf die Waage bringen wird.
Ich habe schon gesehen und gehört, dass die Wurmkur für kleine Katzenbabies ein grosses Problem ist. Ich habe eine Woche hinter mir, die ich niemandem wünsche. In der Nacht stand ich alle zwei Stunden auf, um Alena etwas Flüssigkeit und Nahrung zuzuführen. Tagsüber dasselbe Spiel im Geschäft. Ich hatte eine Katze zu versorgen. Wie schaffen es denn Natascha und Familie Schneider, mehrere Babies durchzubekommen? Der Aufwand ist ganz enorm. Wer das selber noch nie erlebt hat, kann sich kein Bild davon machen, wie schrecklich so was ist. Man ist selber am Boden und muss mehr oder weniger machtlos mitansehen, wie sich das kleine, unschuldige Wesen quält und statt gesünder ständig dünner wird. Alena hat es geschafft, und darüber bin ich ganz wahnsinnig glücklich.

26. Juni: Geschwisterliebe
Meine beiden Katzenbabies geniessen die Zweisamkeit. Sie spielen zusammen, legen sich nachts dicht aneinander. Auch der Napf mit der Katzenmilch wird schwesterlich geteilt. Jetzt, wo Alena schon 640g schwer und putzmunter ist, machen uns die beiden Babies viel Freude. Noch immer nehme ich sie ins Büro mit, damit daheim die Katzentüre für die anderen Mitbewohner offen bleiben kann.
Wenn wir abends nach Hause kommen, begleite ich die beiden Stubentiger nach draussen. Dann hat die Stunde der Freiheit geschlagen. Dann dürfen sie - unter Aufsicht natürlich - eine Stunde im Garten rumtoben. Bei dieser Hitze sind wir alle froh, dass wir diese Stunde zum Lüften nützen können.
Natürlich gibt es auch draussen einen riesengrossen Katzenbaum. Chiara hat bereits herausgefunden, dass man da ganz hoch hinauf klettern kann. Alena folgt ihr. Nur besteht der kleine Unterschied darin, dass Alena alleine nicht mehr runter traut. Naja, für irgendwas bin ich ja auch noch da. Dann hole ich eben die Leiter und befreie die kleine schreiende Katze von ihrem Aussichtspunkt.
Allmählich haben sich auch die anderen Tiere an den Neuzugang gewöhnt. Shiva leckt die Babies, als seien es ihre eigenen. Tasja passt gut auf, dass keines verloren geht. Smokie kommt eh nur nach Hause, wenn es Futter gibt. Die restliche Zeit verbringt sie im kühlen Park. Nur Miezi hat noch etwas Mühe, mit den quirligen Dingern. Er geht ihnen lieber aus dem Weg. Allerdings muss er immer noch einen Blick wagen und etwas rumschnuppern. So ganz egal scheinen sie ihm eben doch nicht zu sein - smile.

29. Juni: das alte Spiel
Wie könnte es auch anders sein; Emsy ist unterwegs! Mit seinen Streunertouren hält er uns wie jeden Sommer auf Trab. Man sagt immer, Stress erhält jung. Wir werden täglich jünger, würde ich sagen, denn der gute Emsy stresst uns. Natürlich wissen wir, dass Streunen seine Lieblingsbeschäftigung ist. Dennoch haben wir immer ein ungutes Gefühl, wenn er sich nicht jeden Tag mal zeigt. Man weiss ja nie, ob er nicht wieder einen Unfall hatte.
Seit einer Woche wurde er nun nicht mehr gesichtet. Er hat sich weder in der DPD noch bei mir daheim gezeigt. In der Zwischenzeit sind drei Stürme über die Region gezogen. Zahlreiche Bäume sind umgestürzt, gewaltige Wassermassen sind vom Himmel gefallen. Am Himmel wechselten sich Blitz und Donner die ganze Nacht ab. Das alles hat Emsy überhaupt nicht gestört. Ich weiss nicht, wo er sich aufgehalten hat, jedenfalls Angst hatte er keine, sonst hätte er den Heimweg gefunden. Irgendeinen Unterschlupf muss er gefunden haben, denn sein Fell war trocken und sauber.
Nachdem uns allmählich die Angst in den Gliedern gesessen hatte, habe ich früh am Morgen eine Suchaktion gestartet. Gestern war noch nichts von ihm zu sehen. Heute Morgen nun sass er gemütlich im Park der Roche, dort wo es Magerwiesen gibt, Schatten, Wasser und fette Mäuse. Als ich ihn gerufen habe, ist er sofort gekommen, nein - gerannt. Er wusste nun, dass es leckeres Futter gibt, das man sich nicht verdienen muss.
Wir waren alle froh, dass er wohlauf ist und die Unwetter gut überstanden hat. Nun liegt er in in seinem Körbchen in der DPD und geniesst die vielen Hände, die ihn streicheln. Und uns ist wieder mal ein Stein vom Herzen gefallen. Wir sind glücklich, dass es ihm gut geht.

3. Juli: aus Kätzchen wird Katze
Es geht aufwärts mit den Kleinen, vor allem mit dem Gewicht. Heute brachte Alena bereits 860g auf die Waage, das Doppelte von dem, was sie vor zwei Wochen hatte! Chiara und Alena dürfen, wenn ich daheim bin, in den Garten. Nicht nur ich beobachte sie, nein, auch Shiva spielt Ersatzmutter. Sie lässt sie nicht aus den Augen, schaut stets, dass keines der Kleinen zu weit weg läuft. Und wenn dies der Fall ist, rennt sie hin, stellt sich über das Katzenkind und versucht es im Genick zu packen, um es nach Hause zu tragen. Leider weiss Shiva nicht, wo genau sie zupacken muss. Sie ist dann etwas verwirrt, sucht mit ihrer Schnauze die ganze Katze von vorne nach hinten ab. Da sie sich keine Blösse geben will, leckt sie das Kleine dann einfach ab und jagt es Richtung Wohnung. Tja, so geht es auch. Man muss sich nur etwas einfallen lassen. Shiva kann ja nicht alles wissen, ist ja selber noch ein halbes Baby. Schön ist es jedenfalls, dass sie sich so um die Katzenkinder kümmert. So kann ich sicher sein, dass sie den Garten unter keinen Umständen verlassen.

14. Juli: Die erste Maus
Es war mitten in der Nacht, als ich von einem lauten MIAU geweckt wurde. Da ich bei dieser Hitze mit offenem Fenster schlafe, war das Freudengeheul nicht zu überhören. Vor dem Fenster, im Schatten des Vollmondes, stand Smokie. Sie schien etwas zu wollen, vermied es aber reinzukommen. Kurz darauf ging sie unverrichteter Dinge wieder ins Dickicht zurück. Am Morgen öffnete ich die Türe in den Garten. Die beiden Kleinen warteten schon ganz gespannt, was es draussen Neues zu entdecken gibt. Sie rannten hinaus, rollten sich in der Sonne, kletterten den Baum hoch.
Und dann sah ich sie - stolz wie ein Pfau - aufgeregt wie nie zuvor; Alena mit einer dicken, fetten Maus. Sie knurrte wie ein wildes Tier, schleppte das tote Tier ins Wohnzimmer. Chiara platzte fast vor Neid, versuchte jedoch nur ein einziges Mal, Alena die Maus abzunehmen. Ein lautes Knurren kam als Antwort zurück. Sie spielte noch lange mit der Maus, die ihr Smokie in der Nacht vor die Türe gelegt hatte. Als ich 10 Minuten später wieder hinschaute, war der Zauber vorbei. Alena hatte das Tier verschlungen. Uebrig geblieben war nur noch die Galle. Es war ihre erste Begegnung mit einem richtigen Graupelzchen, denn als Wohnungskatze hatte sie bisher nur davon geträumt. Es war ein absoluter Leckerbissen. Nun musste sie nur noch lernen, wie man diese wendigen Dinger fängt. Doch das wird ihr Smokie bestimmt eines Tages zeigen. Von Shiva kann sie es nicht lernen, denn auch Shiva hat keine Ahnung davon, wie man jagt. Shiva zeigt ihr zwar, dass man den Garten nicht verlassen darf, holt sie zurück, sobald sie die tolerierte Distanz überschritten hat. Bei der Mäusejagd stellt sich Shiva hingegen derart ungeschickt an, dass die Mäuse nur über sie lachen. Was Shiva nicht kann, kann Smokie umso besser. Sie wird es den Kleinen lernen, sobald sie sie voll akzeptiert. Daran arbeiten wir noch....

16. Juli: Ferien im Grand Hotel Augarten
Die einen fahren mit dem Auto ans Meer, andere fliegen nach Uebersee. Die Sommerferien haben begonnen. Es ist Reisezeit. Auch unser Kater durfte auf Reisen gehen. Er verbrachte das Wochenende im "Grand Hotel Augarten"(*****).Natürlich genoss er es in vollen Zügen. Normalerweise sind die Wochenenden für ihn sehr langweilig, denn in der DPD sind die Tore geschlossen und niemand streichelt ihn. Dieses Wochenende war aber vollkommen anders. Er durfte mit Vito mit ins Hotel Augarten. Dort gab es vieles zu entdecken, neue Gerüche, neue Aussichten. Und wenn es ihm langweilig wurde, musste er nur kurz mal miauen. Dann holte Vito die Leine hervor und Emsy wurde durch den Hotelpark geführt. In diesem Park gab es so viele neue Eindrücke. Er stellte fest, dass es dort etliche Kater und Kätzinnen gab, die er noch nicht kannte. Auch wurde er von allen Seiten bewundert und belächelt - ein Kater an der Leine, ein eher seltener Anblick. Emsy war stolz, dass ihn alle bewunderten. Er stellte seinen Schwanz besonders gerade und liess seine Ohren in alle Richtungen drehen. In der Nacht suchte er sich ein Plätzchen dicht neben Vito und schnurrte ihm in die Ohren.

27. Juli: Wirtschaftskunde
Die Hitzewelle soll schon bald zu Ende sein, sagen mindestens die Wetterfrösche. Emsy kümmert sich nicht darum, ob wir schwitzen oder nicht. Er hetzt uns kreuz und quer durch die Industrie. Er sucht sich nämlich jeden Tag einen neuen, kühlen Liegeplatz. Ich renne ihm hinterher, von Firma zu Firma. Oberhalb der Hauptstrasse kennen ihn ja schon alle, da macht es keinen Spass. Unterhalb der gefährlichen Strasse gibt es noch zahlreiche Firmen, die noch nicht in den "Emsy-Genuss" gekommen sind. Jeden Morgen erhalte ich einen Anruf, an dem mir eine nette Mitarbeiterin oder Mitarbeiter erzählt, dass mein Kater bei ihnen sei und es sich dort bequem mache. Als braves Katzenmami mache ich mich dann auf den Weg, um den Schelm abzuholen. Dabei lerne ich, obwohl ich doch schon über 25 Jahre in diesem Dorf wohne, Firmen kennen, von denen ich nichts gewusst habe. Gestern zum Beispiel war Emsy in einer Firma, von der ich noch nie was gehört habe. Heute hingegen lag er im Büro der Provimi Kliba, einer Firma, die (grins) auch Katzenfutter herstellt!!!! Das wusste der kleine Kerl zwar nicht. Allerdings hat ihm die Klimaanlage gefallen und die Tatsache, dass er wieder mal im Mittelpunkt stand. Wir kennen ihn ja mittlerweile, er ist und bleibt ein Schlitzohr. Währenddem ich frühmorgens von Gebüsch zu Gebüsch und von Firma zu Firma eile, liegt er der Länge nach im gekühlten Büro und freut sich des Lebens. Auch wenn ich mir oft vorkomme wie der letzte Depp, der seinem Kater hinterher rennt, mache ich es jeden Tag von neuem. Während die einen frühmorgens joggen gehen, checke ich jedes Gebüsch, rufe ununterbrochen nach ihm und spaziere jeden Weg der Roche ab. Manch verschlafene Roche-Mitarbeiter hat mich schon äusserst komisch angeschaut und vermutlich gedacht, ich sei aus der Psychiatrischen ausgebrochen. Jaja, für manche scheint das wirklich verrückt zu sein, für mich ist das Morgengymnastik. Morgenstund hat Gold im Mund!

1. August 2006: Unser Feriengast
Für drei Wochen wohnt ein Feriengast bei uns. Simba (der kleine, nicht der grosse) wohnt auch am Rosenweg. Seine Familie ist in den Urlaub gefahren und Simba darf in dieser Zeit bei uns wohnen. Er ist ein aufgeweckter, kleiner und ganz süsser Kerl. In den ersten Tagen hat er bewiesen, dass er überschüssige Energie hat. Diese hat er nun abgebaut und ist zum richtigen Schmuser geworden. Alena freut sich, dass er bei uns ist. Gerade jetzt, wo es Chiara nicht gut geht, hat sie einen Spielkameraden, mit dem sie rumtoben kann. Simba stammt auch aus der Schnurrlivermittlung. Zwar ist er nach meinen zwei Katzenbabies dorthin gekommen, doch vertragen sich die Jungtiere wunderbar. Es war nur die erste Stunde, in der man sich etwas angeknurrt hat, dann hat man festgestellt, dass das andere Gegenüber auch noch jung und verspielt ist. Seitdem liegen alle nebeneinander und spielen unentwegt. Der Futternapf wird geteilt, die Katzenmilch zusammen aufgeschlabbert. Es ist eine Freude, dem Trio zuzuschauen.

10. August: Ein Jahr danach
Vor genau einem Jahr hatte Emsy seinen Unfall. Es war eine lange Leidensgeschichte, in der er viel Kraft und Zuneigung gebraucht hat. Wir hatten oft Angst um ihn und wussten nicht, ob er es wohl schaffen würde. Heute, ein Jahr danach, sind wir glücklich, dass er es so gut überstanden hat und "fast" wieder der alte ist. Manchmal, wenn ich ihn davonhinken sehe, denke ich, dass es gut ist, dass er bei jedem Schritt daran erinnert wird, dass Strassen gefährlich sind. Wenn er nur was daraus gelernt hat und endlich im DPD-Areal bleibt, wo ihm eigentlich nicht viel passieren kann.
Den Tierärzten, Freunden und vor allem seinen Schutzengeln möchte ich vielmals danken, dass sie an Emsy geglaubt und mit ihm gekämpft haben. Auch wenn es manchmal aussichtslos aussah, haben sie nie die Hoffnung aufgegeben. Was wäre wohl aus dem verrückten Kater geworden, wenn er nicht so viele Freunde gehabt hätte, die weder Kosten noch Mühe gescheut haben, damit er bald wieder auf die Beine kommt. Oft schaue ich zum Himmel hoch und danke denen da oben, dass sie mir Emsy noch hier gelassen haben. Es war eben doch noch zu früh für den Katzenhimmel.

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