Waschtag - Luskas Bücher

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Waschtag

Buch 7
Als der Mond am Himmel stand, marschierte Wuschel los. Er kam an vielen Häusern vorbei, die am Abend erleuchtet waren. Vielleicht würde er das Haus finden, in dem Ronja und die Familie wohnte. Weil die Vorhänge nicht geschlossen waren, konnte er ins Haus spähen. Er sah Leute beim Abendessen oder beim Fernsehen, doch Ronja war nicht dabei.

Am unteren Ende der Strasse entdeckte er etwas sehr Eigenartiges. So was hatte er noch nie gesehen. Das Reihenhaus hatte einen kleinen Vorgarten. Darin war eine Wäscheleine aufgezogen, an der viele Dinge hingen, die normalerweise nicht daran hängen. Wuschel entdeckte einen Teddybären, einen Geldbeutel, Socken, Handschuhe, ein Kissen, Hosenträger, Taschentücher, einen Schlüssel und noch vieles mehr. Alles war fein säuberlich mit Wäscheklammern aufgehängt. Was um Himmelswillen macht ein Schlüssel an einer Wäscheleine? Ganz vorne gegen die Strasse war ein Schild angebracht „Bitte bedienen Sie sich, falls einer dieser Artikel Ihnen gehört!“

Wuschel schüttelte nur den Kopf. „Was die Leute da so alles raus hängen?“ Dann traf er ihn, den Verursacher dieser eigenartigen Wäscheleine; Garfield, ein roter Kater. Er war gross und beleibt und lebte im Haus mit der Wäscheleine. Schon von klein auf hatte er die Unart, alles anzuschleppen, was ihm in die Schnauze kam. Er holte sich alles, was ihm gefiel und trug es nach Hause. Es gab kein Mittel dagegen. Er war der Sammelsucht verfallen. In seinem Körbchen war kaum mehr Platz für ihn selber. Er legte alles in seinen Liegekorb. Dann rollte er sich zwischen Spielzeug und Topflappen zusammen und war stolz auf sein Werk.
Zu Beginn wussten die Besitzer überhaupt nicht, was das für Sachen waren, die bei ihnen rumlagen und wie sie zu ihnen gekommen waren. Vielleicht hatte ja eines der Kinder was geschenkt bekommen? Es kamen jeden Tag neue Dinge dazu, sehr eigenartig. Und alles landete bei Garfield im Korb. Sie konnten sich keinen Reim darauf machen.

Erst als sie ihn dabei ertappten, wie er einen Pelzhasen durch die Katzentüre schleppte, war ihnen klar, woher das alles kam. Er musste viel Kraft anwenden, um seine Beute urch die kleine Katzentüre zu zerren. Doch es schien ihm Spass zu machen, denn hergeben wollte er die Errungenschaft nicht mehr. Aber wem gehörten die Sachen? Die Familie wollte sie nicht behalten. Sicher waren Kinder nun traurig, wenn sie ihre Spielsachen nicht mehr hatten. Aber nichts von den Dingen war angeschrieben. Wohin sollten sie es also zurückbringen? Zudem hatten sie Angst, dass man sie verdächtigen könnte, die Nachbarn bestohlen zu haben.


Sie beschlossen deshalb, eine Wäscheleine zu spannen und die Dinge aufzuhängen. Nun konnten sich die Nachbarn ihre gestohlenen Gegenstände wieder abholen. Sie befestigten einen weiteren Zettel mit einer entsprechenden Erklärung am Seil.

Garfield wurde zur Lachnummer in dieser Strasse. Die Leute amüsierten sich über den kleinen pelzigen Dieb. Die Wäscheleine sah aber auch köstlich aus. Auch ein Journalist erfuhr von Garfield und seiner kleptomanischen Ader. Er nahm einen Fotografen mit, der von der Wäscheleine und Garfield ein Foto machte. Nach ein paar Tagen wusste die ganze Region Bescheid über den roten Kater. In der Zeitung wurde von ihm berichtet mitsamt Foto. Jeden Tag kamen Leute vorbei, die das Bild in der Zeitung gesehen hatten. Ueber Garfield und seine Unart wurde sogar im regionalen Fernsehen ein Kurzbericht gemacht.
Auf der einen Seite waren die Besitzer und Garfield stolz, dass sie in der Zeitung und im Regionalfernsehen erwähnt waren, doch mussten sie eine Lösung finden für Garfields Kleptomanie. Leider gab es aber noch keine Therapie für klauende Katzen. Sie wussten überhaupt nicht, wie sie Garfields Diebestouren unterbinden konnten. Es dauerte noch Monate, bis Garfield endlich aufhörte, Dinge anzuschleppen. Bis dahin blieb die Wäscheleine hängen und die Nachbarn kamen regelmässig vorbei, wenn sie daheim etwas vermissten.
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